Kategorie: zum Vorlesen

Strong is the new pretty

Kate T. Parker
Strong is the new pretty
A Celebration of Girls Being Themselves
Workman Publishing

Ein wunderschöner Bildband voll starker, eigensinniger, wilder, unbändiger Mädchen. Vielleicht nicht unbedingt ein Kinderbuch im eigentlichen Sinn, aber eure Kinder werden es lieben.

Kate T. Parker ist es gelungen Mädchen in Momenten einzufangen, in denen sie unbeschwert sind und einfach loslassen. Man sieht sie tanzen, laufen, klettern und auch backen. Man sieht sie in Rugby Uniformen und in Tutus, herausgeputzt zur Prinzessin und dreckig im Schlamm. Man sieht Zusammenhalt und lonely wolves. Abseits der oft klischeehaften Bilder, die unseren Töchtern und Söhnen ansonsten in Zeitschriften, Büchern oder Fernsehen als Mädchenbild gezeigt werden, vermitteln diese echten Bilder, dass es voll okay ist, so zu sein wie man einfach ist oder sich fühlt. Dass Mädchen Fußball mögen dürfen und tanzen. Dass sie sich dreckig machen dürfen und beim Sitzen die Beine nicht übereinander schlagen müssen.
Die Porträts zeigen soviel Stärke und Selbstbewusstsein, es ist einfach packend. Das Buch ist in mehrere Kapitel aufgeteilt („confident is strong“, „wild is strong“, „creative is strong“, „kind is strong“ und so weiter) mit kurzen einleitenden Texten der Fotografin zu den Aspekten im Leben der Mädchen, die den Kapiteln ihre Namen geben. Die Bilder werden begleitet von Zitaten der Mädchen, unter Angabe ihres Alters.

links: „I taught myself how to bake and decorate.“ Lindsey E., Age 11; rechts: „True beauty is a result of the persistence, resilience, and confidence that comes with being a strong woman.“ Sophie, Age 17

„I tried to bulldoze my little brother, but my mom said no.“ Syd, Age 8

links: „I try not to be scared when I learn a new trick; I just keep doing it and doing it until i get it.“ Alice, Age 7 ; rechts: „I never worry about competing against others. I only care about competing against myself.“ Jessica, Age 18

links: „Teamwork ist the most important part of volleyball. By the end of the season, we arent’t friends, we are sisters.“ Eliza, Age 13; rechts: „My friends gave me cards and flowers. They helped me and loved me.“ Finleigh, Age 8

Meine Tochter liebt dieses Buch. Leider ist es noch nicht auf Deutsch erschienen. So kann sie zwar die Texte noch nicht lesen, aber die Bilder transportieren auch allein sehr viel Message. Sie blättert ständig darin, vertieft sich in die Fotos, um dann vielleicht wieder zu mir zu kommen und mich um das Vorlesen der Zitate zu bitten. Ein schönes Buch auch zum gemeinsamen Schmökern. Für jedes Alter.

Der Fotografin könnt ihr auch auf Instagram folgen.
https://www.instagram.com/katetparker/

Niemals wilde Katzen kitzeln

Niemals wilde Katzen kitzeln

…. eine Kategorie kehrt zurück sozusagen: Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß um meine Leidenschaft für Kinderbücher (viele Rezensionen findet ihr im Archiv). Auch viele Bekannte wissen darum und so werde ich in letzter Zeit oft gefragt nach „anderen“ Kinderbüchern. Ich hab mich auch selber daran gestört, dass es scheinbar so wenige Kinder- und Jugendbücher gibt, bei denen die Hauptrolle eine weibliche ist und obendrein keine Prinzessin oder Fee oder glückliche Hausfrauenmaus. Wenn man sich aber wirklich aktiv mit dem Thema auseinandersetzt, dann findet man sie… ich hab sie für euch gefunden und will sie euch natürlich nicht vorenthalten:
Meine Favoriten mit Sheroes, Mädchengangs, Abenteurerinnen und Mädchen, die in der Nase bohren. 

Ich beginne mit dem einem Beitrag aus dem Archiv, der eure Aufmerksamkeit verdient.

Pamela Butchart / Marc Boutavant
Niemals wilde Katzen kitzeln
Reprodukt Verlag

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Die Line ist eine, die kann nicht sitzenbleiben. Eine ZappelLINE. Immer am hampeln, immer am werkeln, immer am plappern. So einen kleinen Springinsfeld hab ich auch daheim, daher hat es mich wohl sofort angesprochen. Das Buch bleibt nichts schuldig, finde ich. In ansprechenden Alliterationsreimen turnt sich die kleine Troublemakerin Line durchs Buch, begleitet von den Ermahnungen der Erwachsenen, was sie nicht alles bleiben lassen sollte. Und wie das halt so ist, wenn man etwas nicht tun darf… gipfelt Lines Geschichte (weil: “Niemals wilde Katzen kitzeln“) in den Folgen einer Wildekatzenkitzelung beim Schulausflug in den Zoo. Ein heilloses Durcheinander, dessen Auflösung letztendlich Line selber herbeiruft, völlig überwältigt von dem Chaos, das ausbricht, wenn alle zippeln und zappeln, trippeln und trappeln und so weiter.

niemalswildekatzen

Marc Boutavants Illustrationen haben einen leichten Fifties-Touch, der mir ohnehin immer gefällt. Sie sind schlicht gehalten. Mit leichtem Strich schafft er Stimmung und Bewegung ohne Farb- und Ausdrucksexplosionen nötig zu haben. Ein recht eigener Stil finde ich, den man auch sofort erkennt, wenn man ein Buch von ihm in Händen hält. (Meine Tochter meinte gleich, „Mama, schau das ist Mouk“). Auch die Typo integriert sich – handschriftlich – schön ins Buch.

Etwas muss ich außerdem hervorheben, weil es ein Detail ist, das ich immer ganz besonders an Kinderbüchern schätze: Liebevoll gemachte Einstiegsseiten und Vorsatzpapiere. Mein erster Blick bei Kinderbüchern (und anderen auch) gilt eigentlich nach dem Einband immer dem Vorsatz (das Papier, das die Buchdeckel mit den Innenseiten verbindet). Ist der Vorsatz liebevoll gestaltet, ist es meist der Rest auch. Achtet mal darauf.
Ein Detail mit dem mich, wird daran gedacht, jeder Illustrator bzw. Verlag gleich kriegt.
Bei Boutavant findet sich Beides äußerst liebevoll gemacht.

So hat zum Beispiel „Niemals wilde Katzen kitzeln“ nach dem Vorsatz noch eine sehr hübsche Extraillustration zum Einstig in die Geschichte, so hübsch gedacht, als wäre es beinahe ein alternatives Coverbild.

Zum Vorlesen geht das Buch sicher schon ab 3 Jahren, meine Tochter mit fast 6 Jahren findets auch immer noch lustig. Durch die schöne Alliterationsform der Reime, vielleicht auch als Buch für Erstleser interessant und aufgrund der lustigen Geschichte auch unterhaltsam.

Die Piratenkönigin Grace O’Malley

Vor einiger Zeit habe ich angefangen meinen Kindern die Geschichten der Frauen zu erzählen, die Grenzen überschritten, gläserne Decken gesprengt und Großes geleistet haben. Diese Geschichten schreibe ich hier für euch auf, damit ihr das auch tun könnt.

Heute erzähle ich euch die Geschichte von der Piratenkönigin. Ihr Name war Grace O’Malley.

Man erzählt sich, dass sie zur See geboren wurde und so ist es nicht verwunderlich, dass sie ihr ganzes Leben lang lieber auf dem Meer als auf dem Land war.

Die kleine Grace lebte mit ihren Eltern an der stürmischen Westküste Irlands. Ihr Vater war der Chef des Clans der O’Malleys und ihre Familie blickte auf eine lange Seefahrertradition zurück. Schon als kleines Mädchen begeisterte sich Grace für die Kunst des Navigierens und das Seefahrerhandwerk.
Wie oft mag sie wohl aufs Meer geblickt und davon geträumt haben auf einem der Schiffe davon zu segeln, während sich an den Klippen der Küste die Wellen brachen und der Wind ihr langes rotes Haar zerzauste. Immer wieder bat sie ihren Vater sie bei seinen Abenteuern mit zu nehmen.

Aber Owen „Schwarzeiche“ O’Malley, so wurde er genannt, war von der Idee seiner Tochter gar nicht begeistert. Er sagte zu ihr, dass sich ihre langen Haare in den Seilen der Segel verfangen würden und sie deshalb nicht für die Seefahrerei taugte. Hatte er geglaubt, damit sei die Sache vom Tisch, so staunte er nicht schlecht als Grace am nächsten Tag an Deck seines Schiffes stand, mit Haaren so kurz wie Streichhölzer. Nun konnte er nicht anders, als seine Tochter zur See fahren zu lassen.

Grace, „die Glatzköpfige“ O’Malley, so sollte sie von diesem Tag an heißen, war so geschickt im Navigieren, so erfolgreich im Führen ihrer Mannschaft und so furchtlos bei Angriffen von Piraten, dass sie schon bald Seite an Seite mit ihrem Vater segelte.

Als junge Frau heiratet sie Donall „den Schlachtenreichen“ O’Flaherty. Auch er war Chef eines Clans und seine Familie lebte von der Seefahrerei, dem Handel und dem gelegentlichen Plündern von Schiffen. Grace stand ihm dabei zur Seite. Gemeinsam bekamen sie drei Kinder. Nachdem Donall bei einer Schlacht ums Leben kam, kehrte Grace mit ihren Söhnen, ihrer Tochter und einigen treuen Gefolgsleuten in ihre Heimat zurück um dort das neue Familienoberhaupt und Chefin des Clans der O’Malleys zu werden.
Sie plünderte immer öfter andere Schiffe und schließlich auch ganze Dörfer. Ihr Reichtum wuchs, ihre Raubzüge wurden immer erfolgreicher und immer mehr Piraten schlossen sich ihr an. Es dauerte nicht lange und Grace war Herrin über mehrere Burgen und eine ganze Schiffsflotte.

Zu dieser Zeit kämpfte Irland dagegen an, von England unter seine Herrschaft gestellt zu werden. Englische Adelige versuchten sich des ganzen Landes zu bemächtigen. Die Königin von England selbst gab ihnen die Erlaubnis dazu. Grace war längst eine gefürchtete Piratin geworden. Sie wollte sich keinesfalls den neuen Herren und Gesetzen fügen und überfiel mit ihren Schiffen auch die der englischen Lords. Sie wurde bald gefangengenommen, konnte aber unbemerkt aus dem Kerker entkommen. Auch ihr Sohn geriet in Gefangenschaft.

Schließlich bat die „Piratenkönigin“ die Königin von England um ein Treffen. Sie wollte nicht mehr länger verfolgt werden und bat um Schutz. Und obwohl Grace so frech war sich vor der Königin nicht zu verbeugen und sich nicht vor ihr niederzuknien, schließlich war sie ja selbst „die Königin der See“, versprach ihr Königin Elizabeth I., sie nicht gefangen zu nehmen, und ihren Sohn freizulassen, wenn sie fortan für England segeln würde. So konnte Grace ihre Raubzüge nun sogar im Namen der Königin von England fortsetzen.

Zahlreiche Lieder und Legenden handeln noch heute von Grace O’Malleys Abenteuern und viele Iren verehren sie als Heldin, die sich nicht den Engländern beugte.