Kategorie: Wirklich gute Kinderbücher

Strong is the new pretty

Kate T. Parker
Strong is the new pretty
A Celebration of Girls Being Themselves
Workman Publishing

Ein wunderschöner Bildband voll starker, eigensinniger, wilder, unbändiger Mädchen. Vielleicht nicht unbedingt ein Kinderbuch im eigentlichen Sinn, aber eure Kinder werden es lieben.

Kate T. Parker ist es gelungen Mädchen in Momenten einzufangen, in denen sie unbeschwert sind und einfach loslassen. Man sieht sie tanzen, laufen, klettern und auch backen. Man sieht sie in Rugby Uniformen und in Tutus, herausgeputzt zur Prinzessin und dreckig im Schlamm. Man sieht Zusammenhalt und lonely wolves. Abseits der oft klischeehaften Bilder, die unseren Töchtern und Söhnen ansonsten in Zeitschriften, Büchern oder Fernsehen als Mädchenbild gezeigt werden, vermitteln diese echten Bilder, dass es voll okay ist, so zu sein wie man einfach ist oder sich fühlt. Dass Mädchen Fußball mögen dürfen und tanzen. Dass sie sich dreckig machen dürfen und beim Sitzen die Beine nicht übereinander schlagen müssen.
Die Porträts zeigen soviel Stärke und Selbstbewusstsein, es ist einfach packend. Das Buch ist in mehrere Kapitel aufgeteilt („confident is strong“, „wild is strong“, „creative is strong“, „kind is strong“ und so weiter) mit kurzen einleitenden Texten der Fotografin zu den Aspekten im Leben der Mädchen, die den Kapiteln ihre Namen geben. Die Bilder werden begleitet von Zitaten der Mädchen, unter Angabe ihres Alters.

links: „I taught myself how to bake and decorate.“ Lindsey E., Age 11; rechts: „True beauty is a result of the persistence, resilience, and confidence that comes with being a strong woman.“ Sophie, Age 17

„I tried to bulldoze my little brother, but my mom said no.“ Syd, Age 8

links: „I try not to be scared when I learn a new trick; I just keep doing it and doing it until i get it.“ Alice, Age 7 ; rechts: „I never worry about competing against others. I only care about competing against myself.“ Jessica, Age 18

links: „Teamwork ist the most important part of volleyball. By the end of the season, we arent’t friends, we are sisters.“ Eliza, Age 13; rechts: „My friends gave me cards and flowers. They helped me and loved me.“ Finleigh, Age 8

Meine Tochter liebt dieses Buch. Leider ist es noch nicht auf Deutsch erschienen. So kann sie zwar die Texte noch nicht lesen, aber die Bilder transportieren auch allein sehr viel Message. Sie blättert ständig darin, vertieft sich in die Fotos, um dann vielleicht wieder zu mir zu kommen und mich um das Vorlesen der Zitate zu bitten. Ein schönes Buch auch zum gemeinsamen Schmökern. Für jedes Alter.

Der Fotografin könnt ihr auch auf Instagram folgen.
https://www.instagram.com/katetparker/

Niemals wilde Katzen kitzeln

Niemals wilde Katzen kitzeln

…. eine Kategorie kehrt zurück sozusagen: Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß um meine Leidenschaft für Kinderbücher (viele Rezensionen findet ihr im Archiv). Auch viele Bekannte wissen darum und so werde ich in letzter Zeit oft gefragt nach „anderen“ Kinderbüchern. Ich hab mich auch selber daran gestört, dass es scheinbar so wenige Kinder- und Jugendbücher gibt, bei denen die Hauptrolle eine weibliche ist und obendrein keine Prinzessin oder Fee oder glückliche Hausfrauenmaus. Wenn man sich aber wirklich aktiv mit dem Thema auseinandersetzt, dann findet man sie… ich hab sie für euch gefunden und will sie euch natürlich nicht vorenthalten:
Meine Favoriten mit Sheroes, Mädchengangs, Abenteurerinnen und Mädchen, die in der Nase bohren. 

Ich beginne mit dem einem Beitrag aus dem Archiv, der eure Aufmerksamkeit verdient.

Pamela Butchart / Marc Boutavant
Niemals wilde Katzen kitzeln
Reprodukt Verlag

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Die Line ist eine, die kann nicht sitzenbleiben. Eine ZappelLINE. Immer am hampeln, immer am werkeln, immer am plappern. So einen kleinen Springinsfeld hab ich auch daheim, daher hat es mich wohl sofort angesprochen. Das Buch bleibt nichts schuldig, finde ich. In ansprechenden Alliterationsreimen turnt sich die kleine Troublemakerin Line durchs Buch, begleitet von den Ermahnungen der Erwachsenen, was sie nicht alles bleiben lassen sollte. Und wie das halt so ist, wenn man etwas nicht tun darf… gipfelt Lines Geschichte (weil: “Niemals wilde Katzen kitzeln“) in den Folgen einer Wildekatzenkitzelung beim Schulausflug in den Zoo. Ein heilloses Durcheinander, dessen Auflösung letztendlich Line selber herbeiruft, völlig überwältigt von dem Chaos, das ausbricht, wenn alle zippeln und zappeln, trippeln und trappeln und so weiter.

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Marc Boutavants Illustrationen haben einen leichten Fifties-Touch, der mir ohnehin immer gefällt. Sie sind schlicht gehalten. Mit leichtem Strich schafft er Stimmung und Bewegung ohne Farb- und Ausdrucksexplosionen nötig zu haben. Ein recht eigener Stil finde ich, den man auch sofort erkennt, wenn man ein Buch von ihm in Händen hält. (Meine Tochter meinte gleich, „Mama, schau das ist Mouk“). Auch die Typo integriert sich – handschriftlich – schön ins Buch.

Etwas muss ich außerdem hervorheben, weil es ein Detail ist, das ich immer ganz besonders an Kinderbüchern schätze: Liebevoll gemachte Einstiegsseiten und Vorsatzpapiere. Mein erster Blick bei Kinderbüchern (und anderen auch) gilt eigentlich nach dem Einband immer dem Vorsatz (das Papier, das die Buchdeckel mit den Innenseiten verbindet). Ist der Vorsatz liebevoll gestaltet, ist es meist der Rest auch. Achtet mal darauf.
Ein Detail mit dem mich, wird daran gedacht, jeder Illustrator bzw. Verlag gleich kriegt.
Bei Boutavant findet sich Beides äußerst liebevoll gemacht.

So hat zum Beispiel „Niemals wilde Katzen kitzeln“ nach dem Vorsatz noch eine sehr hübsche Extraillustration zum Einstig in die Geschichte, so hübsch gedacht, als wäre es beinahe ein alternatives Coverbild.

Zum Vorlesen geht das Buch sicher schon ab 3 Jahren, meine Tochter mit fast 6 Jahren findets auch immer noch lustig. Durch die schöne Alliterationsform der Reime, vielleicht auch als Buch für Erstleser interessant und aufgrund der lustigen Geschichte auch unterhaltsam.

Die Zeitreise – Vom Urknall bis heute

Peter Goes
Die Zeitreise – Vom Urknall bis heute
Beltz & Gelberg Verlag

Es gibt diese Kinderbücher, die man als Erwachsener nur schwer erträgt … sie langweilen beim Vorlesen und die Bilder öden einen an – während einem das Kind an den Lippen hängt und jedes Bild hundertmal ansehen will. Ich vermute, ihr wisst, was ich meine. Und dann gibt es die Kinderbücher, bei denen man sich irgendwann fragt, ob sie wirklich für die Kinder sind, weil man selber sich darin verliert, hineinträumt, ins Schwärmen gerät, während die Kinder sich daneben langweilen und die uns so faszinierenden Bilder sie anöden. Kennt ihr auch, oder?

Das Buch von Peter Goes macht mich fertig. Es ist so bildgewaltig und beeindruckend, wie ich selten ein Buch erlebt habe. Es hat mich von der ersten Doppelseite weg in seinen Bann gezogen. In einem fortlaufenden Zeitstrahl erfahren wir die Geschichte unserer Erde vom Urknall angefangen bis in die 2010-er Jahre. Von den Ammoniten über die Dinosaurier, die ersten Menschen, Großmächte, wissenschaftliche Errungenschaften, Kriege, Kreuzzüge, Religionen, Irrungen und Wirrungen aller Epochen finden ihren Platz. Als hätte man sämtliche „Es war einmal der Mensch“-Folgen in ein Buch gepackt und fortgesetzt bis zur Erfindung des Ipod, dem ersten schwarzen Präsidenten in den USA, der Gründung des IS und der Flüchtlingsproblematik.

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Die Illustrationen sind sehr ausdrucksstark. Mit wenigen Farben, großteils in Schwarz-Weiß und in Umrissen, wenigen ausschraffierten Details schafft es Goes trotzdem eine lebendige Umwelt zu erschaffen. Die Handlungen, die Personen oder Tiere sind gut erkennbar und verständlich. Ich beneide Illustratoren, die Verspieltheit, Eleganz und Klarheit derart vereinen.

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Die ausgewählten Schriften passen wunderbar zueinander und erlauben einen guten Lesefluss. Einzelne Ereignisse sind textlich nocheinmal genauer ausgeführt und man kann sehr gut selber entscheiden für welche Infos man sich tatsächlich interessiert. Durch die Anordnung der Illustrationen und der Typo entsteht der Eindruck eines Sogs, eines Flusses der einen durch die Zeiten treibt und nicht loslässt bis man am Ende des Buches angekommen ist.

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Produktionstechnisch braucht sich das Buch auch nicht verstecken: Großformatig, dickes leicht raues Papier, dessen Struktur im Druck die Illustrationen zusätzlich belebt, gebunden in hochwertiger Fadenheftung.

Und wenn soviel Liebe im Projekt steckt, dass selbst der Strichcode vom Illustrator gestaltet wird, ist eigentlich alles gesagt.

Jetzt muss ich nur noch warten, bis meine Tochter alt genug ist, um meine Begeisterung zu teilen. Es ist tatsächlich sowohl inhaltlich, als auch bildlich sehr komplex und dicht. Das Buch wird ab 8 Jahren empfohlen und bis dahin ist leider damit zu rechnen, dass die Kinder gelangweilt bzw. überfordert vom Sofa rutschen und lieber auf die Decke starren. Eine Beobachtung, die allerdings keinen geneigten Kinderbuchleser davon abhalten sollte dieses Buch zu kaufen.

Mehr Infos zum Illustrator: http://www.petergoes.com

Herr Lotti findet ein Paket

Martin Gülich / Amélie Jackowski
Herr Lotti findet ein Paket
Thienemann Verlag

Für Herrn Lotti gibt es keinen schöneren Beruf als seinen: Postbote. Bei jedem Wetter ist er mit seinem Lastenfahrrad unterwegs. Eines Tages liegt ein kleines rotes Paket auf der Straße mit Löchern an allen Seiten. Wenn man genau hinhörte, konnte man ein leises Kratzen und Fauchen aus dem Paket vernehmen. Da kein Name auf dem Paket steht, nimmt es Herr Lotti mit nach Hause, öffnet es aber nicht, weil sich das ja nicht gehört. Da er vermutet, dass es Hunger hat, beginnt er dem vermeintlichen Tier im Paket Essen durch die Löcher zu schieben.

Von Tag zu Tag scheint das Tier zu wachsen und man kann weiches Fell durch die Löcher sehen. Eines Abends platzt das Paket auf, und inmitten des Kartons sitzt eine Katze, ein schwarz-gelb gestreifte Katze.

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Jeden Tag darf die Katze jetzt mit Herrn Lottis Postwagen mitfahren, die Leute finden die Katze sehr schön, allerdings traut sich keiner sie zu streicheln, ist sie doch wirklich ungewöhnlich groß. Irgendwann ist sie sogar so groß, dass sie kaum noch in Herrn Lottis Wagen passt… und als Herr Lotti einen kleinen Jungen, der keine Angst vor seiner Katze hat, fragt ob er sie streicheln will, meint dieser

„Das ist keine Katze“ …“das ist ein Tiger, ein waschechter Tiger, das sieht doch jedes Kind.“

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Mit einem Tiger allerdings, das wusste Herr Lotti, konnte er nicht zusammen in einer Wohnung wohnen. Weder Zoo noch Zirkus scheinen ihm eine Option und so überlegt er, was er mit seinem Freund anfangen soll. Bis er eines Tages ein Schaufenster sieht, in dem Werbung für Indien gemacht wird: „Das Land der Tiger“ … am nächsten Morgen bringt Herr Lotti ein riesiges Paket zur Post. Über und über mit Briefmarken beklebt und mit ganz vielen Löchern und dem Hinweis „nach Indien“.
Ein letztes Mal streichelt er durch ein Loch das Fell des Tigers.

„Dort ist der Tiger zu Hause, das ist schonmal sicher.“

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Als Herr Lotti mich vom Cover des Buches anlächelte, konnte ich einfach nicht daran vorbei. Ein netter, schrulliger Typ, mit Kniebundhosen und Strümpfen drüber… sowas mag ich.

Der Charakter des Herrn Lotti ist sehr liebevoll aufgebaut, seine Welt, die ordentlich vom Tiger aufgemischt wird ist bunt und charmant. Der Gleichmut mit dem Herr Lotti allen Unwegsamkeiten begegnet ist geradezu inspirierend. Und auch wenn am Ende eine Trennung steht, bleibt der positive Eindruck der Bereicherung, die die Freundschaft zum Tiger für sein Leben darstellt.

Die Illustrationen haben einen tollen eigenen Stil. Nicht modern reduziert, sondern liebevoll ausschattiert und nuanciert im Strich. Der Stil erinnert mich etwas an Illustrationen aus den Fünfzigern, sowas mag ich ja auch. Die Gesichtsausdrücke der Leute sind mit wenigen Details so vielaussagend, dass sie die Geschichte wunderbar abrunden. Dass alle Menschen, außer dem hageren Herrn Lotti ziemlich beleibt sind, finde ich ein sehr nettes Detail am Rande. Die Typo ist unaufgeregt modern, das Cover sehr liebevoll gestaltet, wie auch das Vorsatzpapier. Ein schönes Vorlesebuch ab ca. 4 Jahre.

Klein

Klein
Stina Wirsén
Klett Kinderbuch Verlag

Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, dass es vielleicht nicht unbedingt in die Regale unserer Kinder schaffen wird. Ein Buch, das aber in jedem Kindergarten, jeder Grundschule und in sämtlichen Büchereien vorhanden sein sollte.

Klein wohnt zusammen mit Groß und Stark. Klein mag es, wenn zu Hause alles schön ist. Manchmal läuft es zuhause aber nicht so gut. Stark ist schlecht gelaunt, schimpft dann mit Klein und streitet mit Groß. Das passiert viel zu oft. An zu vielen Tagen hat Klein zu Hause Angst und verkriecht sich unterm Tisch oder flüchtet zum Nachbarn.

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Aber Klein kann keinem davon erzählen. Oder doch? Keiner hilft ihm, keiner tröstet es, keiner bringt es ins Bett, wenn es wieder so ist. Oder?
Eines Tages erzählt Klein aber doch von seiner Not, seiner Erzieherin in der Kita. Sie hört zu, nimmt Klein in den Arm und wird helfen.

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„Frau Traulich hört zu. Frau Traulich hört alles. Frau Traulich sagt zu Klein: Du bist klein. Du bist gut. Dir darf man keine Angst machen. Dich darf man niemals stoßen oder schlagen. So ist das.“

Es gibt wohl mehr kleine Wusel, denen es so geht wie klein, die zu Hause Angst haben. Und sie sollten es jemandem erzählen.

„Denn alle, die groß sind, sollen sich um die kümmern, die klein sind. So ist das.“

Ein Buch über häusliche Gewalt hat es mitunter schwer auf dem Büchermarkt. Wer kauft schon ein Buch zu so einem Thema? Kaum Eltern, fürchte ich.

Dieses Buch verdient jede Aufmerksamkeit, die es bekommen kann. Sehr einfühlsam, aber auch eindringlich vermittelt es die Notwendigkeit, dass Kinder sich mitteilen sollen.
Die Texte sind in ihrer Schlichtheit so eingängig und kompromisslos, dass jeder versteht, was nicht ausgesprochen wird. Die Beklemmung und Unsicherheit, die Angst des Kindes wird besonders in den Zeichnungen greifbar und lässt einen schwer schlucken. Alles ist wirr, undeutlich. Die Farbstiftzeichnungen sind zerrüttet, wild. Die Welt, die Klein umgibt beschränkt sich zuhause auf die Farben von Stark und Groß. Die Illustrationen sind alles andere als gefällig, aber sehr emotional. Schließlich zeigt das Buch aber den Ausweg auf. Auch die Erleichterung, wird in den Illustrationen deutlich. Der Strich wird sicherer, als das Kind erzählt, die Farben bunter, die Umgebung verdichtet sich.
Die Kombination aus Text und Bild ergibt ein wirklich ergreifendes Werk.

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Ein starkes Buch als Grundlage für ein Gespräch. Und doch auch für Eltern. Weil man vielleicht einmal der Nachbar ist, der versteht, oder die Mutter des Freundes die zuhört, wenn ein Kind bedrückt ist oder weil man ein Buch kauft, das man dem örtlichen Kindergarten oder der Schule schenkt.

 

 

 

 

 

Der bunte Bauernhof

Nastja Holtfreter
Der bunte Bauernhof
Verlag Magellan

Endlich mal wieder ein Buch für die ganz Kleinen. Das Pappbilderbuch „Der bunte Bauernhof“ ist Teil einer ganzen Buch-Reihe beim Magellan Verlag, die allesamt von der Illustratorin Nastja Holtfreter stammen.
Es gibt sie zu verschiedenen Themen wie „Die bunte Wiese“, „das bunte Meer“, „Die bunte Baustelle“, „die bunten Berge“, „der bunte Wald“ und „der bunte Bauernhof“.

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In bunten Illustrationen finden sich auf jeder Seite Tiere oder Gegenstände zum jeweiligen Thema des Buches. Verbunden mit einer kleinen Aufgabe „Welches Küken gehört nicht zum Huhn?“ oder „Ein Schwein schaut in die andere Richtung.“ sind die Kinder (und je nach Alter deren Eltern…) aufgefordert das Bild genau zu betrachten und zu entdecken. Holtfreter versteht es sehr gut, die Kleinen abzuholen. Zu sehen welches Tier aus der Reihe tanzt ist kurzweilig und unterhaltsam. Und für die Eltern kann es von Vorteil sein, eine bestimmte Aufgabe nennen zu können, wenn die Kinder mal wieder „wieso, weshalb, warum“ fragen… ihr wisst bestimmt, was ich meine.

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In schlichter grafischer Sprache gehalten, ist den Illustrationen ein wunderbarer Charme eigen. Alle Tiere sind sehr sympathisch pausbäckig und kindgerecht. Die Farben sind bunt, aber nicht schrill. Die „Unterschiede“, die nach den Fragen zu finden sind, sind meist sehr witzig umgesetzt.
Die Typo ist ebenso schlicht und spielerisch zugleich. Einzig die Papierqualität überzeugt mich nicht ganz, die Kanten sind etwas schnell abgestoßen.

Besonders schön an den „bunten“ Bücher finde ich, dass sie auch Teil der „natürlich magellan“ Serie sind. Diese Bücher sind hergestellt in Deutschland, gedruckt auf FSC-Papier mit Farben auf Pflanzenölbasis, mit lösungsmittelfreiem Klebstoff und Lacken auf Wasserbasis. Mehr Umweltbewusstsein im Produktionsablauf geht fast nicht.

Lucky!

Jenny Offill / Chris Appelhans
Lucky!
Aladin Verlag

Die Haustier-Diskussion. Hattet ihr schon? Nein? Kommt noch. Mit Sicherheit.

Das Mädchen aus dem Bilderbuch „Lucky!“ wünscht sich genau das, ein Haustier. Die Mutter ist dagegen: weder Hase, noch Vogel, noch Seehund. Das Mädchen aber gibt nicht auf und wünscht es sich von ihrer Mutter, tagein, tagaus, einen ganzen Monat lang. Schließlich gibt ihre Mutter nach:

„Du kannst jedes Tier der Welt haben, solange es nicht ausgeführt, gebadet oder gefüttert werden muss.“

Was in elterlichen Ohren bombensicher klingt, ist für Kinder meist kein Hindernis. In der Schulbibliothek wird das Mädchen schließlich fündig: das Faultier erfüllt alle Kriterien.
Das Tier wird per Kurier geliefert, versprochen ist schließlich versprochen.
Es erhält den Namen „Lucky“ und darf auf einem Baum im Garten wohnen. Das Mädchen ist glücklich. Es hat nun ein Haustier. Und Lucky? Nun ja, der schläft. Und schläft. Und schläft. Zwei Tage lang.

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Als er endlich aufwacht spielen die beiden: Verstecken, Kung-Fu Kämpfer und ein Spiel in dem Lucky unschlagbar ist – Denkmäler. Erst Mary, ein Mädchen aus der Schule beendet das Glück, indem sie sagt, ein Faultier sei gar kein Haustier, weil es gar keine Tricks kann, sondern nur schläft. Das wurmt das Mädchen so sehr, dass es beschließt eine Vorstellung zu geben und Lucky ein paar Tricks beizubringen. Der ist allerdings so tiefenentspannt, dass vom Training bis zu der Vorstellung selbst alles nicht so richtig läuft. Eigentlich sitzt er die ganze Zeit nur da.
Das schöne an der Geschichte ist, dass das Mädchen ihm das letztendlich nicht krumm nimmt. Obwohl er kein Haustier ist, in der Definition anderer ist das Mädchen schlußendlich glücklich.

„Du bist goldrichtig, Lucky“ sagte ich. Und das war er – ganz, ganz lange.

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Die Geschichte des Buches find ich wundervoll. Das Mädchen ist ein herrlich skurriler und nerdiger Zeitgenosse. Das Faultier als Charakter legt den Grundstein für die ganze Geschichte: total entschleunigt. Es gibt keinen großen Spannungsbogen, kein großes Finale, keine aufregende Wendung. Die Illustrationen sind originell und fangen die Story perfekt ein. Das schlaksige Mädchen und das zottelige Wesen geben ein herrliches Paar ab. Ein wunderbares Buch über Genügsamkeit, Achtsamkeit und Entschleunigung und über eine leise, unaufgeregte Freundschaft, abseits der Norm.

Ab 4 Jahre geht es bestimmt schon.

Und falls der Wunsch nach einem Faultier als Haustier nach dem Lesen des Buches übermächtig wird, gibt es einige sehr sympathische Exemplare in der noch viel pflegeleichteren Stofftiervariante zb. von Wild Republic oder Leosco. (gesehen bei Amazon)

Benji Davies – mein neuer Schwarm

Benji Davies
Nick und der Wal & Opas Insel
Aladin Verlag

Wenn aus einer Buch-Liebe, Liebe zum Gesamtwerk wird. Als ich zum ersten Mal ein Buch von Benji Davies in der Hand hielt, war ich verzaubert. Es war vor ziemlich genau 2 Jahren. Ich hab es damals nicht gekauft. Ich hatte kein Kind, dem ich es hätte vorlesen können, meine Tochter, fand ich, war zu alt dafür.

Jetzt hab ich es gekauft, denn bis jetzt ist es mir nicht aus dem Kopf gegangen… und Wale gehen einfach immer.

 

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Nick und der Wal

Nick wohnt mit seinem Vater alleine in einem Haus am Meer. Der Vater ist Fischer und von früh bis spät außer Haus.

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Nick fühlt sich oft einsam. Eines Tages findet er einen gestrandeten kleinen Wal und weil er weiß, dass der Wal so nicht überleben kann, nimmt er ihn mit nachhause und setzt ihn in die Badewanne. Jetzt ist Nick nicht mehr einsam. Der Wal ist ein guter Zuhörer… Als der Vater am Abend nachhause kommt, kann Nick ihn sogar noch einige Zeit verstecken. Dann aber entdeckt er die beiden.
Sein Vater ist ihm nicht böse, erkennt aber wie alleine sein Sohn sich gefühlt haben muss. Gemeinsam bringen sie den Wal zurück ins Meer.

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Die Illustrationen sind einfach nur atemberaubend. Benji Davies gelingt es mit wenigen Strichen eine wahnsinnige Intensität zu erzeugen, seinen Figuren ganz viel Ausdruck zu verleihen. Die Farben sind einfach nur schön. In jeder Szenerie steckt ganz viel Liebe zum Detail und sie sind gefüllt mit Witz und Charme. Die herzzerreißende Geschichte um Einsamkeit, Aufmerksamkeit und Abschied tut ihr übriges dazu.

Ein leises, poetisches, durch und durch gelungenes, wunderbares Kinderbuch.

Und weil ich seit der Entdeckung von Benji Davies immerwieder nach Büchern von ihm Ausschau halte, freue ich mich besonders über seine jetzige Neuerscheinung.

 

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Opas Insel

Wenn man das Buch aufschlägt und „Nick und der Wal“ bereits kennt, ist es als würde man einen alten Bekannten treffen. Dieses mal heißt der kleine Held der Geschichte allerdings Sam.
Sam besucht seinen Opa, findet ihn allerdings nicht an seinen gewohnten Plätzen, sondern auf dem Dachboden. Dort zeigt ihm sein Opa zwischen allerlei Dingen aus fernen Ländern eine versteckte Türe.

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Als Sam die Tür öffnet, befinden sie sich an Deck eines großen Schiffes. Die beiden setzen das Schiff in Bewegung und reisen zu einer weit entfernten Insel. Sams Großvater scheint von einer neuen Leichtigkeit belebt und gemeinsam erkunden sie das unbekannte Land. Sie finden eine Hütte, richten sich dort ein und erleben viele schöne Stunden auf der Insel. Sam weiß, dass er sich aber bald wieder auf den Heimweg machen muss. Sein Opa allerdings will auf der Insel bleiben. Und so nehmen sie Abschied.

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Ein Enkel nimmt Abschied von seinem Opa. Wieder ist die Geschichte so ergreifend und wunderschön, dass ich das Buch gar nicht schließen wollte, als wir es gelesen hatten. Eine leise Melancholie begleitet einen während des ganzen Buches und trotzdem bleibt zum Schluß nichts Beklemmendes, sondern ein gutes Gefühl. Die Illustrationen auch hier so innig und herzerwärmend. Wieder schafft Davies es mit ganz wenig, ganz viel zu zeigen. Wieder bin ich hin und weg.

Ich hatte mich übrigens geirrt, als ich meinte meine Tochter wäre zu alt. Ich fand damals es ist zu wenig Text. Für eine „Gute Nacht“ Geschichte ist es vielleicht wirklich wenig Text, aber meine Tochter ist mittlerweile 6 Jahre und findet beide Bücher ganz toll. Beide gehen denke ich ab 3 oder 4 Jahre.

 

Einmal um die Welt – Mein Städte-Atlas

Georgia Cherry / Martin Haake
Einmal um die Welt – Mein Städte-Atlas
Knesebeck Verlag

30 der schönsten Städte der Welt wollen in – oder besser: mit diesem Buch entdeckt werden. Zu jeder Stadt bietet der Atlas ein paar grundlegende Informationen zur Stadt selbst und ihren Hauptattraktionen. Außerdem gibt es Tipps für ausgefallene Unternehmungen und Hinweise zu besonderen Orten. Auf jeder Doppelseite gibt es zudem eine kleine Aufgabe zu lösen alla „Entdeckst du 5 Rentiere?“ zb. bei Helsinki.

Wer „Alle Welt“ zuhause hat, kann an diesem Buch fast nicht vorbei. Zumindest mir ging es so in der Buchhandlung. Schon der Einband hatte mich magisch angezogen. Großformatig mit schön strukturiertem Papier, tiefengeprägter Titel – da kann die Grafikerhand nicht nicht zugreifen. Vollkommen überzeugt hat es mich, als ich es aufgeschlagen hab. Liebevoll gestaltetes Vorsatzpapier und anschließend jedes Blatt ein farbenprächtiges Spektakel.

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Jeder Stadt wird auf einer Doppelseite gehuldigt. Die Illustrationen schön schräg. Ein Mix aus Collage, Scherenschnitt und Malerei, kombiniert mit handschriftlicher Typo innerhalb der Bilder und schön sachlicher Serifenloser innerhalb der Infobox. Üppig, aber nicht überfüllt, findet man immerwieder hübsche und witzige Details.

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Ein wirklich hochwertig gemachtes Buch, das zum gemeinsamen Schmökern einlädt. Warum also nicht den nächsten Städtetrip mit den Kindern gemeinsam planen?
Einziger Wermutstropfen: Wien ist leider nicht dabei… das finde ich persönlich wirklich schade und unverständlich.

Geeignet ab ca. 7/8 Jahre.

Heute bin ich wild und böse

Jutta Richter / Annette Swoboda
Heute bin ich wild und böse
Verlag Coppenrath

Das Lächeln des kleinen Kindes auf dem Cover kennen alle Rabaukeneltern.
Verschmitzt, um es mal nett zu sagen. Ausgerüstet mit diesem Lächeln und einem Kater als „partner in crime“, stampft es durch das Buch: ein kleines Kind im Löwenkostüm, und lässt seiner ganzen Wildheit freien Lauf. Getragen von den wirklich schönen Versen von Jutta Richter, rumpelt man gemeinsam mit dem Kleinen durch einen Tag voller Unfug und Polterei.

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„Heute bin ich wild und böse,
bin ein Wolf im grauen Fell,
bin ein Drache, bin ein Löwe,
und ich beiße und ich bell!“

Bis dann am Abend die Müdigkeit und Erschöpfung dem Ganzen ein Ende setzt. Ausgetobt und glücklich kuschelt sich das Kind schließlich mit dem Kater zusammen auf einen Polster.

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Während die Farben sehr ruhig und gedämpft gehalten sind, fängt der akzentuierte und wilde Strich der Illustrationen die Stimmung des Gedichts wirklich gut ein. Ein Gedicht in dem sich so manches Kind bestimmt wiederfindet und das Gefühl solcher Tage wirklich gut beschreibt. Bemerkenswert außerdem, dass aus den Illustrationen nicht eindeutig hervorgeht, ob der kleine Wildfang ein Junge oder ein Mädchen ist.

Streckenweise erinnerte das Buch an die „wilden Kerle“ von Maurice Sendak, („Wo die wilden Kerle wohnen“) kommt aber einfach direkter und in mancher Augen vielleicht kinderfreundlicher daher.

Ein Pappbilderbuch für Kinder ab 2 Jahren. So als kleine Aufheiterung zwischendurch aber auch noch für ältere Kinder geeignet.

Ich freue mich sehr, dass diese Rezension auch bei dem Onlinemagazin Salon Mama publiziert wird, für das ich ab jetzt auch als Autorin tätig bin.