Kategorie: ab 3 Jahre

Klein

Klein
Stina Wirsén
Klett Kinderbuch Verlag

Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, dass es vielleicht nicht unbedingt in die Regale unserer Kinder schaffen wird. Ein Buch, das aber in jedem Kindergarten, jeder Grundschule und in sämtlichen Büchereien vorhanden sein sollte.

Klein wohnt zusammen mit Groß und Stark. Klein mag es, wenn zu Hause alles schön ist. Manchmal läuft es zuhause aber nicht so gut. Stark ist schlecht gelaunt, schimpft dann mit Klein und streitet mit Groß. Das passiert viel zu oft. An zu vielen Tagen hat Klein zu Hause Angst und verkriecht sich unterm Tisch oder flüchtet zum Nachbarn.

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Aber Klein kann keinem davon erzählen. Oder doch? Keiner hilft ihm, keiner tröstet es, keiner bringt es ins Bett, wenn es wieder so ist. Oder?
Eines Tages erzählt Klein aber doch von seiner Not, seiner Erzieherin in der Kita. Sie hört zu, nimmt Klein in den Arm und wird helfen.

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„Frau Traulich hört zu. Frau Traulich hört alles. Frau Traulich sagt zu Klein: Du bist klein. Du bist gut. Dir darf man keine Angst machen. Dich darf man niemals stoßen oder schlagen. So ist das.“

Es gibt wohl mehr kleine Wusel, denen es so geht wie klein, die zu Hause Angst haben. Und sie sollten es jemandem erzählen.

„Denn alle, die groß sind, sollen sich um die kümmern, die klein sind. So ist das.“

Ein Buch über häusliche Gewalt hat es mitunter schwer auf dem Büchermarkt. Wer kauft schon ein Buch zu so einem Thema? Kaum Eltern, fürchte ich.

Dieses Buch verdient jede Aufmerksamkeit, die es bekommen kann. Sehr einfühlsam, aber auch eindringlich vermittelt es die Notwendigkeit, dass Kinder sich mitteilen sollen.
Die Texte sind in ihrer Schlichtheit so eingängig und kompromisslos, dass jeder versteht, was nicht ausgesprochen wird. Die Beklemmung und Unsicherheit, die Angst des Kindes wird besonders in den Zeichnungen greifbar und lässt einen schwer schlucken. Alles ist wirr, undeutlich. Die Farbstiftzeichnungen sind zerrüttet, wild. Die Welt, die Klein umgibt beschränkt sich zuhause auf die Farben von Stark und Groß. Die Illustrationen sind alles andere als gefällig, aber sehr emotional. Schließlich zeigt das Buch aber den Ausweg auf. Auch die Erleichterung, wird in den Illustrationen deutlich. Der Strich wird sicherer, als das Kind erzählt, die Farben bunter, die Umgebung verdichtet sich.
Die Kombination aus Text und Bild ergibt ein wirklich ergreifendes Werk.

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Ein starkes Buch als Grundlage für ein Gespräch. Und doch auch für Eltern. Weil man vielleicht einmal der Nachbar ist, der versteht, oder die Mutter des Freundes die zuhört, wenn ein Kind bedrückt ist oder weil man ein Buch kauft, das man dem örtlichen Kindergarten oder der Schule schenkt.

 

 

 

 

 

Benji Davies – mein neuer Schwarm

Benji Davies
Nick und der Wal & Opas Insel
Aladin Verlag

Wenn aus einer Buch-Liebe, Liebe zum Gesamtwerk wird. Als ich zum ersten Mal ein Buch von Benji Davies in der Hand hielt, war ich verzaubert. Es war vor ziemlich genau 2 Jahren. Ich hab es damals nicht gekauft. Ich hatte kein Kind, dem ich es hätte vorlesen können, meine Tochter, fand ich, war zu alt dafür.

Jetzt hab ich es gekauft, denn bis jetzt ist es mir nicht aus dem Kopf gegangen… und Wale gehen einfach immer.

 

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Nick und der Wal

Nick wohnt mit seinem Vater alleine in einem Haus am Meer. Der Vater ist Fischer und von früh bis spät außer Haus.

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Nick fühlt sich oft einsam. Eines Tages findet er einen gestrandeten kleinen Wal und weil er weiß, dass der Wal so nicht überleben kann, nimmt er ihn mit nachhause und setzt ihn in die Badewanne. Jetzt ist Nick nicht mehr einsam. Der Wal ist ein guter Zuhörer… Als der Vater am Abend nachhause kommt, kann Nick ihn sogar noch einige Zeit verstecken. Dann aber entdeckt er die beiden.
Sein Vater ist ihm nicht böse, erkennt aber wie alleine sein Sohn sich gefühlt haben muss. Gemeinsam bringen sie den Wal zurück ins Meer.

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Die Illustrationen sind einfach nur atemberaubend. Benji Davies gelingt es mit wenigen Strichen eine wahnsinnige Intensität zu erzeugen, seinen Figuren ganz viel Ausdruck zu verleihen. Die Farben sind einfach nur schön. In jeder Szenerie steckt ganz viel Liebe zum Detail und sie sind gefüllt mit Witz und Charme. Die herzzerreißende Geschichte um Einsamkeit, Aufmerksamkeit und Abschied tut ihr übriges dazu.

Ein leises, poetisches, durch und durch gelungenes, wunderbares Kinderbuch.

Und weil ich seit der Entdeckung von Benji Davies immerwieder nach Büchern von ihm Ausschau halte, freue ich mich besonders über seine jetzige Neuerscheinung.

 

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Opas Insel

Wenn man das Buch aufschlägt und „Nick und der Wal“ bereits kennt, ist es als würde man einen alten Bekannten treffen. Dieses mal heißt der kleine Held der Geschichte allerdings Sam.
Sam besucht seinen Opa, findet ihn allerdings nicht an seinen gewohnten Plätzen, sondern auf dem Dachboden. Dort zeigt ihm sein Opa zwischen allerlei Dingen aus fernen Ländern eine versteckte Türe.

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Als Sam die Tür öffnet, befinden sie sich an Deck eines großen Schiffes. Die beiden setzen das Schiff in Bewegung und reisen zu einer weit entfernten Insel. Sams Großvater scheint von einer neuen Leichtigkeit belebt und gemeinsam erkunden sie das unbekannte Land. Sie finden eine Hütte, richten sich dort ein und erleben viele schöne Stunden auf der Insel. Sam weiß, dass er sich aber bald wieder auf den Heimweg machen muss. Sein Opa allerdings will auf der Insel bleiben. Und so nehmen sie Abschied.

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Ein Enkel nimmt Abschied von seinem Opa. Wieder ist die Geschichte so ergreifend und wunderschön, dass ich das Buch gar nicht schließen wollte, als wir es gelesen hatten. Eine leise Melancholie begleitet einen während des ganzen Buches und trotzdem bleibt zum Schluß nichts Beklemmendes, sondern ein gutes Gefühl. Die Illustrationen auch hier so innig und herzerwärmend. Wieder schafft Davies es mit ganz wenig, ganz viel zu zeigen. Wieder bin ich hin und weg.

Ich hatte mich übrigens geirrt, als ich meinte meine Tochter wäre zu alt. Ich fand damals es ist zu wenig Text. Für eine „Gute Nacht“ Geschichte ist es vielleicht wirklich wenig Text, aber meine Tochter ist mittlerweile 6 Jahre und findet beide Bücher ganz toll. Beide gehen denke ich ab 3 oder 4 Jahre.

 

Fiete – Das versunkene Schiff & Die große Fahrt

Nach meiner Rezension der Apps nun auch die Rezension der Fiete-Bücher.

Ahoiii Entertainment
Fiete – Das versunkene Schiff
Boje Verlag

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Fiete, Hein und Hinnerk helfen dem alten Hansen seinen Vorratskeller aufzufüllen. Dabei erfahren sie von Hansens früherem Boot „Botilda“, die zu seinem Leid vor vielen Jahren auf den Grund des Meeres gesunken ist. Die drei haben die Idee das Boot zu heben, um Hansen eine Freude zu machen.

„Aber wie sollen wir das schaffen? Wir sind ja nicht mal richtige Seemänner.“ „Und wir haben kein Schiff“, ergänzte Fiete. „Doch haben wir! Mein kleines Motorboot. Also los, worauf warten wir noch?“, ruft Hinnerk.

Sie packen also alles Wichtige ein und begeben sich auf ins Abenteuer.

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Der etwas zögerliche Hein, Fiete und der übermütige Hinnerk schippern gemeinsam aufs Meer. Das Schiff ist schnell gefunden und nach einigen glücklosen Versuchen hat Fiete eine Lösung, wie sie das Schiff heben können.

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Hansen ist sprachlos, als er seiner Botilda gegenübersteht, aber weil er für Abenteuer auf See schon zu alt fühlt und aus Dankbarkeit für ihre Hilfe schenkt er das Schiff den drei Freunden. Die drei Freunde können ihr Glück kaum fassen und machen sich gemeinsam an die Reparatur.

Im Buch gelingt es besonders gut, die einzelnen Charaktere der drei Freunde herauszuarbeiten. (Der Zögerliche, der Schlaue, der Übermütige…) Jeder hat seine Stärken, gemeinsam schaffen sie eine übermächtige Aufgabe und das Alles, um einem Freund zu helfen bzw. ihn glücklich zu machen. Hier wird also nicht nur bei den Illustrationen liebevoll gearbeitet, auch die Geschichte ist besonders charmant.

So haben wir auch nicht gezögert, als das zweite Buch um Fiete und seine Freunde erschien.

Fiete – Die große Fahrt

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Die Botilda ist fit gemacht und die Drei freuen sich auf ihre erste Ausfahrt. Um es langsam anzugehen, wollen sie aber erstmal auf dem Boot, aber im Hafen übernachten.
Hinnerk kann aber nicht schlafen, zu aufgeregt und vorfreudig fiebert er ihrem ersten Ausflug entgegen. Während Fiete und Hein von ihrem ersten Abenteuer mit Botilda träumen, beschließt er an Deck zu gehen und eine kleine Probefahrt zu machen, so lange seine Freunde schlafen.
Leider schläft er dabei am Steuerrad ein und wird, genau wie seine Freunde unter Deck von einem unsanften „Rumms“ geweckt.

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Keiner weiß wo sie gelandet sind und so erkunden sie erstmal das Land, an dem sie gestrandet sind. Sie wandern weit und jeder meint das Land aus seinen Träumen wiederzuerkennen: Afrika, Asien oder gar Australien.

Wo sie wirklich gelandet sind? Findet es am besten selbst heraus. (Ha, meine erste Rezension mit Cliffhanger) …

Und wieder ist eine tolle Geschichte gelungen. Wie auch schon im ersten Band, geht es um Freundschaft, Mut und Zusammenhalt.

Ungewöhnlich genug, dass aus einer App ein Kinderbuch hervorgeht, noch ungewöhnlicher, wenn es so gut gelingt. Über die Illustrationen aus dem Hause Ahoiii habe ich bei der Rezension der Apps schon viel geschrieben. Was mich freut: Sie geben auch im Großformat echt was her. Es wurde nicht einfach versucht die Bilder aus den Apps zu übertragen, sondern sie sind mit viel Liebe und Blick fürs Detail auf das Medium Buch hin gearbeitet. Der Text in einer klassischen Buchschrift wird gut interagierend mit den Bildern kombiniert. Nicht immer mit doppelseitiger Bebilderung, sondern auch rhythmisch mit kleineren Illustrationen im Austausch. Das macht das Lesen angenehm und wenig ermüdend.

Beide Bücher sind geeignet ab ca. 3 Jahren.

Und weil ich so eine Freude mit den Produkten von Ahoiii habe, stelle ich euch auch noch zwei weitere vor, die ebenfalls beim Boje Verlag erschienen sind.

Das Freundebuch und das Malbuch

Auch hier ist es bei beiden wieder gelungen, den Produkten das gewisse Extra an Liebe angedeihen zu lassen, das Mütterherzen höher schlagen lässt.

Das Freundebuch glänzt durch so ungewöhnliche Kategorien wie „Mein schlimmstes Schimpfwort“ oder zum Ankreuzen: „An meinem Strand darf man: in der Nase Bohren, Krach machen, mit den Fingern essen, wettspringen im Match“ etc.
Auf den hinteren Seiten finden sich außerdem „Freundschaftsorden“ zum Ausschneiden.

Das Krickel Kraken PottMalbuch

Ein Malbuch mit 176 Seiten und keine einzige davon ist langweilig. Auch hier zeigen die Illustratoren und Ideenentwickler was sie können. Unterschiedlichste Aufgaben aus denen das Kind (oder der geneigte Erwachsene) wählen kann. Dem lieben Hein eine neue Frisur verpassen, die Arme der Seeleute tätowieren, Wolkentiere erkennen, Fiete nachzeichnen, den Mageninhalt einer Kuh … Unglaublich welche Vielfalt an Übungen hier eingeflossen sind.
Ich bin mir sicher, dieses Malbuch werde ich in nächster Zukunft oft verschenken.

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Für die Fotos war es fast unmöglich sich für eine Seite zu entscheiden.

Am besten sieht man den Umfang in diesem Video. Auf demselbem Kanal wird für Euch übrigens auch durch das Freundebuch und andere Produkte von Ahoiii geblättert.

 

Der Löwe in dir

Rachel Bright / Jim Field
Der Löwe in dir
Magellan Verlag

Eine Maus so winzig, dass sie von allen übersehen wird, will endlich wahrgenommen werden.

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Sie will so werden wie der mächtige Löwe, der die Steppe regiert in der sie wohnt. Sie denkt, ihr fehlt das nötige „roar“… und um das zu lernen müsste sie zum besten Lehrmeister gehen, zum Löwen selbst. Doch würde sie nicht einfach als dessen Festschmaus auf dem Teller landen?
Sie fasst all ihren Mut zusammen und macht sich auf. Groß und stark thront er auf seinem Felsen, der Maus schlottern die Knie. Mit leiser Stimme weckt sie den schlafenden König, um ihn um Hilfe zu bitten.

„Da wurde es still im goldgelben Land.
Der Löwe erwachte, die Mähne hochstand.
Die Zeit verstrich langsam, so langsam wie nie.
Da brüllte der Löwe mit Inbrunst ein…
IIiiih!!!“

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Als er die Maus erblickt, erschrickt er aber fürchterlich. Ihm ist Angst und Bange. Der Löwe fürchtet sich vor der Maus? Sie kann es kaum fassen. Die beiden werde letztendlich Freunde. Die Maus erkennt, dass Größe und Lautstärke nicht alles ist.

„So fanden sie Beiden
schließlich heraus:
Jeder von uns ist mal Löwe,
mal Maus.“

Schon wieder ein Buch mit dem Thema „Mut zahlt sich aus“… ich hab allerdings keine besondere Affinität zu dem Thema. Ausgewählt hab ich es wieder aufgrund der gelungenen Illustrationen und des wirklich schön gereimten Textes.

Ein bißchen erinnern mich die illustrierten Tiere an die Charaktere von „Madagaskar“ (dem Animations-Film). Schön schräg. Besonders gelungen finde ich die Typo-Illu Kombination. Der Text fügt sich auf jeder Seite schön ein und wirkt niemals deplatziert. Die Illustrationen im Wechsel zwischen vollformatig und Ausschnitten. Durch die gelungene Anordnung von Text und Bild liest sich das ganze Buch wunderbar rhythmisch und entwickelt eine schöne Dynamik, die sich im Brüllen des Löwen entlädt.

Für umweltbewusste Bücherkäufer noch der Hinweis: Das Buch entstammt der „Natürlichmagellan“-Serie. D.h. es wurde hergestellt in Deutschland, gedruckt auf FSC-Papier mit Farben auf Pflanzenölbasis. Gebunden mit lösungsmittelfreiem Klebstoff und veredelt mit Lacken auf Wasserbasis.

…Na Halleluja, alles richtig gemacht würd ich sagen.
Geeignet ab 3 Jahren.

Von einem mutigen Hasen, der heimlich auszog, die Welt zu entdecken und das Fürchten zu lernen

Alexandre Chardin / Mylène Rigaudie
Von einem mutigen Hasen, der heimlich auszog,
die Welt zu entdecken und das Fürchten zu lernen
Bohem Verlag

Ich schenke wirklich gerne Kinderbücher zu Anlässen (und noch viel lieber einfach so). Zu Ostern gibt’s auch wieder Bücher … und Hasen … am besten also gleich Hasen in Büchern, oder?

Schon der Titel bietet alles, was mein Kind an einer Geschichte liebt.
Der kleine Filou (franz. für „Lauser“) liebt die Abenteuergeschichten, die seine Mutter abends erzählt. Und weil die Geschichten ihm derart imponieren, will er es selbst erleben das große Abenteuer, die Furcht, den Schrecken und ein echter Held sein. Die Tiere im beschaulichen Wäldchen warnen vor der Reise, den schrecklichen Gefahren… erst der Bach, der Fluß, der Strom, der da mündet im Meer, das alles bietet was der gesunde Kleintierverstand meidet: Unbekanntes, Ungeheuer, Pottwal! Filou baut ein Floß und macht sich auf. Doch kein Wal, kein Monster, nichts von alledem wovor all die Tiere ihn gewarnt hatten. Nach langem, dann am Horizont: ein Riesenungetüm. Dem Kampf gegen Windmühlen gleich, stellt sich Filou der nahenden Gefahr eines Dampfers, zückt sein Schwert, kennt keine Furcht! …

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Gerade noch rechtzeitig vor einem Aufprall taucht ein Pottwal auf und nimmt das Floß auf seinen Rücken, Filou ist entsetzt – war er doch gerade dabei ein Held zu werden.

„Nun sprach der Wal: “Ich muss gesteh’n,
ich hab das Chaos kommen seh’n.
Sah keine Chance für Crew und Schiff,
weil jeder deiner Schläge trifft.
Nun, edler Ritter, großer Held,
zeig mir den Weg in deine Welt.“

Mit stolz geschwellter Brust, weist der kleine Hase den Weg nachhause, schläft schon bald auf dem Rücken des Wales ein, der ihn wohlbehalten seiner Familie zurückbringt.
Letztendlich eine Geschichte über Mut, der sich bezahlt macht.

„Denn hätt’ Filou sofort verzagt,
das Abenteuer nie gewagt,
so hätt’ er keinen Freund, der schwimmt,
denn wer nie wagt, der nie gewinnt!“

Die Illustrationen finde ich sehr gelungen. Der Charakter des kleinen Hasen schön eingefangen und ausgearbeitet. Mal süß, mal verträumt, mal entschlossen.

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Die Monster besonders gruselig, aber durchaus so, wie man sie im naturhistorischen Museum auch treffen könnte. Typografisch tut es sich, abgesehen vom Cover, nicht extra hervor. Zumindest lassen sich Bild und Text gegenseitig genug Platz, finde ich bei Kinderbüchern auch immer gut. In der Umsetzung zeigt der Verlag was er kann: schönes dickes Naturpapier mit angenehmer Haptik und ein nettes Highlight für „Unter-der-Bettdecke-Leser“: das Cover bzw. das Monster am Cover leuchtet im Dunkeln!

Also ein tolles Buch für alle kleinen Angsthasen da draussen, die einen Helden brauchen.
Meine Altersempfehlung: so ab 3 Jahren.

Die dumme Augustine

Otfried Preußler / Herbert Lentz
Die dumme Augustine
Thienemann Verlag

Ein Klassiker und ganz Buch seiner Zeit. 
Die dumme Augustine lebt mit ihrem Mann und drei Kindern beim Zirkus, ihre Tage sind gefüllt mit Kochen, Putzen, Wäsche waschen etc., doch sie träumt davon wie ihr Mann im Zirkus aufzutreten. Die Gelegenheit ergibt sich und zur Überraschung aller meistert sie ihre Chance mit Bravour. 

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Ich hatte ganz vergessen wie großartig das Buch ist, hatte ich es doch als Kind geliebt. Jeden Strich und jedes Wort habe ich sofort wiedererkannt, als ich es gekauft und wieder gelesen hab. Wer kann sich sonst noch an die quälenden Stunden Augustins beim Zahnarzt erinnern?
Meine Tochter liebt es auch, auch wenn sie anfangs nicht damit einverstanden war, dass die Augustine „dumm“ ist (allen Erklärungen zu trotz, müssen wir es nach wie vor ohne „dumm“ vorlesen – einfach so).

Ein Buch das gut vermittelt, daß allen Menschen diesselben Fähigkeiten innewohnen, egal welchen Geschlechts. Auch wenn man nicht mehr von Emanzipation spricht, ich finds immer noch aktuell und fast ein wenig schade, dass es angesichts der vielen Preußler-Huldigungen nach seinem Ableben derartig ignoriert wurde. Zum Vorlesen gehts sicher schon ab 3 Jahre.

Bitte mögen – Marc Boutavant

Heute mal zwei Bücher auf einmal. Zum Einen, weil ich die Bücher zugleich entdeckt hab, zum Anderen, weil ich nebst den Büchern im Konkreten, den Illustrator im Allgemeinen empfehle.

Den Illustrator hab ich eigentlich durch MOUK entdeckt. Kennt ihr? Oder nicht?
MOUK ist ein kleiner Bär, der per Fahrrad gemeinsam mit seinem Freund der Katze Chavapa eine Weltreise macht. Eine ganz entzückende TV-Serie (bei uns ausgestrahlt auf KIKA, derzeit auch über Netflix). Auf ihren Reisen schließen die Beiden in den verschiedensten Ländern Freundschaften mit den Einheimischen und erzählen via Internet-Anruf täglich ihren zuhausegebliebenen Freunden von ihren Abenteuern.
Die Serie finde ich auch ganz stark. Für alle Kinder die fernsehen dürfen auf alle Fälle einen Test wert. Man erfährt sehr viel über die Länder und Gepflogenheiten und die Charaktere und Abenteuer sind wirklich liebevoll gemacht und ausgedacht. Außerdem spielen sie in der jetzigen Zeit mit allem drum und dran (Internet, Handy, Rockbands, etc ..) das macht sie für mich besonders wertvoll gegenüber anderen Animationsserien.

Aber jetzt zu den Büchern:

Pamela Butchart / Marc Boutavant
Niemals wilde Katzen kitzeln
Reprodukt Verlag

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Die Line ist eine, die kann nicht sitzenbleiben. Eine ZappelLINE. Immer am hampeln, immer am werkeln, immer am plappern. So einen kleinen Springinsfeld hab ich auch daheim, daher hat es mich wohl sofort angesprochen. Das Buch bleibt nichts schuldig, finde ich. In ansprechenden Alliterationsreimen turnt sich Line durchs Buch, begleitet von den Ermahnungen der Erwachsenen, was sie nicht alles bleiben lassen sollte. Und wie das halt so ist, wenn man etwas nicht tun darf… gipfelt Lines Geschichte (weil: “Niemals wilde Katzen kitzeln“) in den Folgen einer Wildekatzenkitzelung beim Schulausflug in den Zoo. Ein heilloses Durcheinander, dessen Auflösung letztendlich Line selber herbeiruft, völlig überwältigt von dem Chaos, das ausbricht, wenn alle zippeln und zappeln, trippeln und trappeln und so weiter.

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Marc Boutavants Illustrationen haben einen leichten Fifties-Touch, der mir ohnehin immer gefällt. Sie sind schlicht gehalten. Mit leichtem Strich schafft er Stimmung und Bewegung ohne Farb- und Ausdrucksexplosionen nötig zu haben. Ein recht eigener Stil finde ich, den man auch sofort erkennt, wenn man ein Buch von ihm in Händen hält. (Meine Tochter meinte gleich, „Mama, schau das ist Mouk“). Auch die Typo integriert sich – handschriftlich – schön ins Buch.

Etwas muss ich außerdem hervorheben, weil es ein Detail ist, das ich immer ganz besonders an Kinderbüchern schätze: Liebevoll gemachte Einstiegsseiten und Vorsatzpapiere. Mein erster Blick bei Kinderbüchern (und anderen auch) gilt eigentlich nach dem Einband immer dem Vorsatz (das Papier, das die Buchdeckel mit den Innenseiten verbindet). Ist der Vorsatz liebevoll gestaltet, ist es meist der Rest auch. Achtet mal darauf.
Ein Detail mit dem mich, wird daran gedacht, jeder Illustrator bzw. Verlag gleich kriegt.
Bei Boutavant findet sich Beides äußerst liebevoll gemacht.

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So hat zum Beispiel „Niemals wilde Katzen kitzeln“ nach dem Vorsatz noch eine sehr hübsche Extraillustration zum Einstig in die Geschichte, so hübsch gedacht, als wäre es beinahe ein alternatives Coverbild.

Zum Vorlesen geht das Buch sicher schon ab 3 Jahren, meine Tochter mit fast 6 Jahren findets auch immer noch lustig. Durch die schöne Alliterationsform der Reime, vielleicht auch als Buch für Erstleser interessant und aufgrund der lustigen Geschichte auch unterhaltsam.

 

Laura Leuck / Marc Boutavant / Nadia Budde (Deutsch)
Nur mal für einen Tag
Reprodukt Verlag

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Stellt sich nicht jeder manchmal vor, wie es wäre ein Tier zu sein? In diesem Buch wird in hübschen kurzen Reimen diesen Träumen nachgehangen. Mit einem kleinen Anfangsreim und der Auflösung des Tieres dann jeweils auf der nächsten Seite. Lustig zum Vorlesen und mitraten, bzw. mitreden für die Kinder.

„Fliegen können wär’ mein Ding, als hübscher, bunter … „SCHMETTERLING“ –

schallte es bei uns gleich in mein Ohr, noch bevor ich umblättern konnte.

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Über die Illustrationen von Marc Boutavant ergieße ich mich jetzt nicht nochmal in Lobeshymnen. Ihr wisst ja mittlerweile schon Bescheid …
Die deutschen Texte von Nadia Budde sind auch sehr gelungen finde ich. Sie dürfte geneigten Kinderbuchlesern und -vorlesern bekannt sein, durch ihre eigenen Bücher, die in ihren Texten und ungefälligen Illustrationen auch wirklich klasse sind. (u.a. „eins, zwei, drei, ..Tier“ oder „Und außerdem sind Borsten schön!“)
Da die Illustrationen noch etwas detailreicher sind als beim letzten Buch, gibt’s auch nur beim Anschauen genug zu entdecken. Altersempfehlung bei Vorlesern wieder so ab 3 Jahren.

 

 

Der glückliche Löwe

Louise Fatio / Roger Duvoisin
Der glückliche Löwe
Herder Verlag

Der glückliche Löwe lebt in einem kleinen Stadtzoo und hat sogar einen richtigen Freund, den kleinen Franz. Als eines Tages das Gehege offen steht, macht er einen Spaziergang durch die Stadt und freut sich darauf all die Menschen zu treffen, die ihn sonst immer im Zoo besuchen kommen. Die Leute reagieren allerdings ganz anders auf ihn als im Zoo…

Ein Klassiker, den ich durch Zufall entdeckt hab. Ich hab so das Gefühl, dass diese Buch bereits viele Kinder begleitet hat. Irgendwie kommen mir immer wieder Kinderbücher unter, in denen auf dieses Buch Bezug genommen wird, oder zumindest bilde ich mir das ein… (zB. „Wie versteckt man einen Löwen“ oder neuerdings „Crissis Tagebücher“) Auf alle Fälle eine schöne Geschichte darüber, wie unterschiedlich Leute, je nach Rahmen in dem man sich trifft, einander behandeln. Wird der Löwe im Zoo bewundert, wird er außerhalb des Zoos gefürchtet, ohne etwas an seinem Verhalten zu geändert zu haben. Klassisch illustriert im Stil der Fünfziger (der mir ganz besonders gefällt) in schwarz/weiß/rot, da mag das Cover zuerst täuschen. Vorlesbar meiner Meinung nach so ab 3 Jahre.

Der Baum der Jahreszeiten

Britta Teckentrup
Der Baum der Jahreszeiten
Ars Edition

Ich verschenke gerne Kinderbücher. Natürlich auch zu Weihnachten. Das hier war eines davon.
Star des Buches: ein Baum. Der Titel verrät eh fast alles…
Beginnend im Winter wird über 32 Seiten der Verlauf der Jahreszeiten rund um einen Baum gezeigt – ohne zu langweilen! Einfache, eingängige Reime, die sich schön rhythmisch lesen lassen und bestimmt schnell vom Kind mitgesprochen werden.

Die Eule sitzt im Baum und sieht, was im Wald rundum geschieht.
Der letzte Schnee ist fast verschwunden, es strecken sich die Sonnenstunden.

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Wirklich überzeugt haben mich dann aber die Illustrationen. Tiere und Natur in recht schlichter Formensprache, sehr farbenfroh und intensiv. Nicht verkitscht, nicht überkünstelt, einfach hübsch. Ein Highlight für die Kinder: auf jeder Seite gibt es Gucklöcher, die das Treiben der Tiere bei Schnee, Regen oder Sonnenschein, auf dem Baum und in den Ästen zeigen.

Wer ein Buch über die Jahreszeiten, abseits von den etlichen Wimmelbüchern sucht wird endlich fündig.
Da es kein Pappbilderbuch ist würde ich sagen, gehts zum alleine anschauen wahrscheinlich erst ab 4 Jahre. Zum gemeinsamen Lesen, sicher aber schon ab 2.