Kategorie: ab 4 Jahre

Herr Lotti findet ein Paket

Martin Gülich / Amélie Jackowski
Herr Lotti findet ein Paket
Thienemann Verlag

Für Herrn Lotti gibt es keinen schöneren Beruf als seinen: Postbote. Bei jedem Wetter ist er mit seinem Lastenfahrrad unterwegs. Eines Tages liegt ein kleines rotes Paket auf der Straße mit Löchern an allen Seiten. Wenn man genau hinhörte, konnte man ein leises Kratzen und Fauchen aus dem Paket vernehmen. Da kein Name auf dem Paket steht, nimmt es Herr Lotti mit nach Hause, öffnet es aber nicht, weil sich das ja nicht gehört. Da er vermutet, dass es Hunger hat, beginnt er dem vermeintlichen Tier im Paket Essen durch die Löcher zu schieben.

Von Tag zu Tag scheint das Tier zu wachsen und man kann weiches Fell durch die Löcher sehen. Eines Abends platzt das Paket auf, und inmitten des Kartons sitzt eine Katze, ein schwarz-gelb gestreifte Katze.

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Jeden Tag darf die Katze jetzt mit Herrn Lottis Postwagen mitfahren, die Leute finden die Katze sehr schön, allerdings traut sich keiner sie zu streicheln, ist sie doch wirklich ungewöhnlich groß. Irgendwann ist sie sogar so groß, dass sie kaum noch in Herrn Lottis Wagen passt… und als Herr Lotti einen kleinen Jungen, der keine Angst vor seiner Katze hat, fragt ob er sie streicheln will, meint dieser

„Das ist keine Katze“ …“das ist ein Tiger, ein waschechter Tiger, das sieht doch jedes Kind.“

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Mit einem Tiger allerdings, das wusste Herr Lotti, konnte er nicht zusammen in einer Wohnung wohnen. Weder Zoo noch Zirkus scheinen ihm eine Option und so überlegt er, was er mit seinem Freund anfangen soll. Bis er eines Tages ein Schaufenster sieht, in dem Werbung für Indien gemacht wird: „Das Land der Tiger“ … am nächsten Morgen bringt Herr Lotti ein riesiges Paket zur Post. Über und über mit Briefmarken beklebt und mit ganz vielen Löchern und dem Hinweis „nach Indien“.
Ein letztes Mal streichelt er durch ein Loch das Fell des Tigers.

„Dort ist der Tiger zu Hause, das ist schonmal sicher.“

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Als Herr Lotti mich vom Cover des Buches anlächelte, konnte ich einfach nicht daran vorbei. Ein netter, schrulliger Typ, mit Kniebundhosen und Strümpfen drüber… sowas mag ich.

Der Charakter des Herrn Lotti ist sehr liebevoll aufgebaut, seine Welt, die ordentlich vom Tiger aufgemischt wird ist bunt und charmant. Der Gleichmut mit dem Herr Lotti allen Unwegsamkeiten begegnet ist geradezu inspirierend. Und auch wenn am Ende eine Trennung steht, bleibt der positive Eindruck der Bereicherung, die die Freundschaft zum Tiger für sein Leben darstellt.

Die Illustrationen haben einen tollen eigenen Stil. Nicht modern reduziert, sondern liebevoll ausschattiert und nuanciert im Strich. Der Stil erinnert mich etwas an Illustrationen aus den Fünfzigern, sowas mag ich ja auch. Die Gesichtsausdrücke der Leute sind mit wenigen Details so vielaussagend, dass sie die Geschichte wunderbar abrunden. Dass alle Menschen, außer dem hageren Herrn Lotti ziemlich beleibt sind, finde ich ein sehr nettes Detail am Rande. Die Typo ist unaufgeregt modern, das Cover sehr liebevoll gestaltet, wie auch das Vorsatzpapier. Ein schönes Vorlesebuch ab ca. 4 Jahre.

Lucky!

Jenny Offill / Chris Appelhans
Lucky!
Aladin Verlag

Die Haustier-Diskussion. Hattet ihr schon? Nein? Kommt noch. Mit Sicherheit.

Das Mädchen aus dem Bilderbuch „Lucky!“ wünscht sich genau das, ein Haustier. Die Mutter ist dagegen: weder Hase, noch Vogel, noch Seehund. Das Mädchen aber gibt nicht auf und wünscht es sich von ihrer Mutter, tagein, tagaus, einen ganzen Monat lang. Schließlich gibt ihre Mutter nach:

„Du kannst jedes Tier der Welt haben, solange es nicht ausgeführt, gebadet oder gefüttert werden muss.“

Was in elterlichen Ohren bombensicher klingt, ist für Kinder meist kein Hindernis. In der Schulbibliothek wird das Mädchen schließlich fündig: das Faultier erfüllt alle Kriterien.
Das Tier wird per Kurier geliefert, versprochen ist schließlich versprochen.
Es erhält den Namen „Lucky“ und darf auf einem Baum im Garten wohnen. Das Mädchen ist glücklich. Es hat nun ein Haustier. Und Lucky? Nun ja, der schläft. Und schläft. Und schläft. Zwei Tage lang.

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Als er endlich aufwacht spielen die beiden: Verstecken, Kung-Fu Kämpfer und ein Spiel in dem Lucky unschlagbar ist – Denkmäler. Erst Mary, ein Mädchen aus der Schule beendet das Glück, indem sie sagt, ein Faultier sei gar kein Haustier, weil es gar keine Tricks kann, sondern nur schläft. Das wurmt das Mädchen so sehr, dass es beschließt eine Vorstellung zu geben und Lucky ein paar Tricks beizubringen. Der ist allerdings so tiefenentspannt, dass vom Training bis zu der Vorstellung selbst alles nicht so richtig läuft. Eigentlich sitzt er die ganze Zeit nur da.
Das schöne an der Geschichte ist, dass das Mädchen ihm das letztendlich nicht krumm nimmt. Obwohl er kein Haustier ist, in der Definition anderer ist das Mädchen schlußendlich glücklich.

„Du bist goldrichtig, Lucky“ sagte ich. Und das war er – ganz, ganz lange.

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Die Geschichte des Buches find ich wundervoll. Das Mädchen ist ein herrlich skurriler und nerdiger Zeitgenosse. Das Faultier als Charakter legt den Grundstein für die ganze Geschichte: total entschleunigt. Es gibt keinen großen Spannungsbogen, kein großes Finale, keine aufregende Wendung. Die Illustrationen sind originell und fangen die Story perfekt ein. Das schlaksige Mädchen und das zottelige Wesen geben ein herrliches Paar ab. Ein wunderbares Buch über Genügsamkeit, Achtsamkeit und Entschleunigung und über eine leise, unaufgeregte Freundschaft, abseits der Norm.

Ab 4 Jahre geht es bestimmt schon.

Und falls der Wunsch nach einem Faultier als Haustier nach dem Lesen des Buches übermächtig wird, gibt es einige sehr sympathische Exemplare in der noch viel pflegeleichteren Stofftiervariante zb. von Wild Republic oder Leosco. (gesehen bei Amazon)

Benji Davies – mein neuer Schwarm

Benji Davies
Nick und der Wal & Opas Insel
Aladin Verlag

Wenn aus einer Buch-Liebe, Liebe zum Gesamtwerk wird. Als ich zum ersten Mal ein Buch von Benji Davies in der Hand hielt, war ich verzaubert. Es war vor ziemlich genau 2 Jahren. Ich hab es damals nicht gekauft. Ich hatte kein Kind, dem ich es hätte vorlesen können, meine Tochter, fand ich, war zu alt dafür.

Jetzt hab ich es gekauft, denn bis jetzt ist es mir nicht aus dem Kopf gegangen… und Wale gehen einfach immer.

 

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Nick und der Wal

Nick wohnt mit seinem Vater alleine in einem Haus am Meer. Der Vater ist Fischer und von früh bis spät außer Haus.

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Nick fühlt sich oft einsam. Eines Tages findet er einen gestrandeten kleinen Wal und weil er weiß, dass der Wal so nicht überleben kann, nimmt er ihn mit nachhause und setzt ihn in die Badewanne. Jetzt ist Nick nicht mehr einsam. Der Wal ist ein guter Zuhörer… Als der Vater am Abend nachhause kommt, kann Nick ihn sogar noch einige Zeit verstecken. Dann aber entdeckt er die beiden.
Sein Vater ist ihm nicht böse, erkennt aber wie alleine sein Sohn sich gefühlt haben muss. Gemeinsam bringen sie den Wal zurück ins Meer.

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Die Illustrationen sind einfach nur atemberaubend. Benji Davies gelingt es mit wenigen Strichen eine wahnsinnige Intensität zu erzeugen, seinen Figuren ganz viel Ausdruck zu verleihen. Die Farben sind einfach nur schön. In jeder Szenerie steckt ganz viel Liebe zum Detail und sie sind gefüllt mit Witz und Charme. Die herzzerreißende Geschichte um Einsamkeit, Aufmerksamkeit und Abschied tut ihr übriges dazu.

Ein leises, poetisches, durch und durch gelungenes, wunderbares Kinderbuch.

Und weil ich seit der Entdeckung von Benji Davies immerwieder nach Büchern von ihm Ausschau halte, freue ich mich besonders über seine jetzige Neuerscheinung.

 

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Opas Insel

Wenn man das Buch aufschlägt und „Nick und der Wal“ bereits kennt, ist es als würde man einen alten Bekannten treffen. Dieses mal heißt der kleine Held der Geschichte allerdings Sam.
Sam besucht seinen Opa, findet ihn allerdings nicht an seinen gewohnten Plätzen, sondern auf dem Dachboden. Dort zeigt ihm sein Opa zwischen allerlei Dingen aus fernen Ländern eine versteckte Türe.

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Als Sam die Tür öffnet, befinden sie sich an Deck eines großen Schiffes. Die beiden setzen das Schiff in Bewegung und reisen zu einer weit entfernten Insel. Sams Großvater scheint von einer neuen Leichtigkeit belebt und gemeinsam erkunden sie das unbekannte Land. Sie finden eine Hütte, richten sich dort ein und erleben viele schöne Stunden auf der Insel. Sam weiß, dass er sich aber bald wieder auf den Heimweg machen muss. Sein Opa allerdings will auf der Insel bleiben. Und so nehmen sie Abschied.

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Ein Enkel nimmt Abschied von seinem Opa. Wieder ist die Geschichte so ergreifend und wunderschön, dass ich das Buch gar nicht schließen wollte, als wir es gelesen hatten. Eine leise Melancholie begleitet einen während des ganzen Buches und trotzdem bleibt zum Schluß nichts Beklemmendes, sondern ein gutes Gefühl. Die Illustrationen auch hier so innig und herzerwärmend. Wieder schafft Davies es mit ganz wenig, ganz viel zu zeigen. Wieder bin ich hin und weg.

Ich hatte mich übrigens geirrt, als ich meinte meine Tochter wäre zu alt. Ich fand damals es ist zu wenig Text. Für eine „Gute Nacht“ Geschichte ist es vielleicht wirklich wenig Text, aber meine Tochter ist mittlerweile 6 Jahre und findet beide Bücher ganz toll. Beide gehen denke ich ab 3 oder 4 Jahre.

 

Zuhause

Carson Ellis
Zuhause
Nord|Süd Verlag

Hals über Kopf. Liebe auf den ersten Blick. Völlig verguckt hab ich mich in dieses Buch.
Ja, und warum eigentlich? … Als ob das jemals jemand wüsste, warum man sich verliebt.

Carson Ellis‘ Buch über das „Zuhause“ beantwortet Seite für Seite eine Frage die ähnlich schwer zu beantworten ist und für die jeder so seine eigene Antwort hat. Was bedeutet eigentlich „zuhause“?

„Zuhause kann man auf dem Land sein.
Oder in einer Wohnung in der Stadt.
Manche sind auf Schiffen zuhause.
Andere in Wigwams.
Die einen wohnen in Palästen.
Andere in unterirdischen Schlupfwinkeln.
Noch andere in Schuhen.
Franzosen sind in Frankreich zuhause.
Atlantiker unter Wasser.“

Jedes einzelne Zuhause wunderschön illustriert und liebevoll belebt. Poetisch und zurückhaltend in der Farbgebung.

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Detailreich genug, um auch beim zweiten, dritten Mal wieder etwas Neues zu entdecken, trotzdem so schlicht, um im Gesamten ruhig und verträumt zu erscheinen. Zum Schluß des Buches gibt es übrigens auch einen Blick ins Zuhause der Künstlerin selbst. Die Typo passt wunderbar, hält sich zurück – eine schöne Ergänzung zu den Bildern.

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Das Cover ist so hübsch, dass es bereits die Kinderzimmershelfies diverser Instamums schmückt. Der Titel kupferfarben tiefgeprägt. Ein super Geschenk für alle Umziehenden, Wohnungsschmücker, Hausbesitzer und Tipibewohner.
Ich allerdings habs jetzt doch selbst behalten, anstatt es herzuschenken.

Es hat keine Pappseiten, also für kleine Kinder nur zum Vorlesen. Aber es ist bestens dafür geeignet sich damit gemeinsam aufs Sofa zu kuscheln und durchzublättern, darüber zu reden und gemeinsam weiterzudenken. Laut Verlag für Kinder ab 4 Jahre.

Hier der Trailer des Buches (in englisch), mit der Künstlerin selbst.

Die Welt der wilden Tiere im Norden

Dieter Braun
Die Welt der wilden Tiere im Norden
Knesebeck Verlag

Endlich ist sie da, die heiß ersehnte Fortsetzung von Dieter Brauns Tierwelt. Im neuen Buch entführt er uns in die Tierwelt der Nordhalbkugel. Nordamerika, Asien, Europa. Besonders auf Europa hab ich mich schon gefreut, weil naja, weil halt: unser Kontinent und unsere wilden Tiere und so.

Mich hatte er ja schon wieder beim Cover. Nein, eigentlich hatte er mich schon, da gab es das Buch noch gar nicht. Schon als ich das Buch der wilden Tiere im Süden das erste Mal angeschaut hab, habe ich insgeheim gehofft der Norden folgt.

Einziger Wermutstropfen, ich war dieses Mal nicht ganz so geflasht wie beim Aufschlagen des ersten Buches … aber gut, wie auch, der Stil war mir ja nun bekannt. Aber wieder: ein wohliges Schaudern, beim Blick in die Augen des Wolfes, ein Grinsen beim Betrachten der gefüllten Backen des Streifenhörnchens und ein bißchen das Gefühl, die Makaken wären bei ihrem Bad lieber allein. Wunderbar illustriert, so nah, so persönlich, so – hach – schön.

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Auf den letzten Seiten des Buches gibt es einen Index aller Tiere im Buch, besonders praktisch zum schnellen Finden des Lieblingstieres.

Also ihr seht, ich bin verliebt. Absolute Kaufempfehlung. Leute, sowas gehört gewürdigt und in aller Kinderbuchregale einsortiert.

Übrigens gibt es Dieter Brauns Illustrationen auch als Poster, fürs schönere Kinderzimmer.

 

Der glückliche Löwe

Louise Fatio / Roger Duvoisin
Der glückliche Löwe
Herder Verlag

Der glückliche Löwe lebt in einem kleinen Stadtzoo und hat sogar einen richtigen Freund, den kleinen Franz. Als eines Tages das Gehege offen steht, macht er einen Spaziergang durch die Stadt und freut sich darauf all die Menschen zu treffen, die ihn sonst immer im Zoo besuchen kommen. Die Leute reagieren allerdings ganz anders auf ihn als im Zoo…

Ein Klassiker, den ich durch Zufall entdeckt hab. Ich hab so das Gefühl, dass diese Buch bereits viele Kinder begleitet hat. Irgendwie kommen mir immer wieder Kinderbücher unter, in denen auf dieses Buch Bezug genommen wird, oder zumindest bilde ich mir das ein… (zB. „Wie versteckt man einen Löwen“ oder neuerdings „Crissis Tagebücher“) Auf alle Fälle eine schöne Geschichte darüber, wie unterschiedlich Leute, je nach Rahmen in dem man sich trifft, einander behandeln. Wird der Löwe im Zoo bewundert, wird er außerhalb des Zoos gefürchtet, ohne etwas an seinem Verhalten zu geändert zu haben. Klassisch illustriert im Stil der Fünfziger (der mir ganz besonders gefällt) in schwarz/weiß/rot, da mag das Cover zuerst täuschen. Vorlesbar meiner Meinung nach so ab 3 Jahre.

Die Welt der wilden Tiere im Süden

Dieter Braun
Die Welt der wilden Tiere im Süden
Knesebeck Verlag

Augen auf, Mund zu. Zumindest bei mir und meiner Tochter wars so. Bzw. bei mir: Mund auf … Kinnlade runter, weil so schön.
Dieter Brauns Tierbuch ist einfach nur atemberaubend. Die Illustrationen sind wunderschön. Obwohl überhaupt nicht naturgetreu, sondern in geometrischer Formensprache trifft er den Charakter jedes einzelnen Tieres so genau, dass man Gänsehaut bekommt. Zum Beispiel, wenn man dem mächtigen Gorilla in die Augen schaut.

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Kontinenteweise durchstreift man die Welt der wilden Tiere und trifft so in Afrika den Löwen oder Flamingo, in Südamerika das Faultier und den Tukan etc. … textlich eher knapp gehalten, aber sehr unterhaltsam geschrieben (im Kopfkino vorgetragen von Dieter Moor) erfährt man außerdem zu jedem Tier interessante Fakten. Geeignet so ab 4 Jahre würd ich sagen.

Also wenn das kein passender Weihnachtsgeschenke-Auftakt ist, dann weiß ich auch nicht. Absolute Kaufempfehlung.