Er so, sie so …

„Das hat dann einer der Jungs für mich gemacht, weil die können das einfach besser.“
Wie bitte? Was?

Ihr kennt das, oder?  Wenn euch eine Aussage eures Kindes aufhorchen lässt.
Wie kommt sie nur darauf? Was bringt mein kleines Mädchen dazu, zu glauben, sie könnte irgendetwas nicht so gut, weil sie ein Mädchen ist?
Ich fing an darüber nachzudenken, woher unsere Kinder, trotz vorgelebter Partnerschaftlichkeit, die Idee einer Ungleichheit zwischen den Geschlechtern entwickeln.

Ich begann uns und unser Umfeld auf die Thematik hin genauer zu beobachten. Es sind Kleinigkeiten, die unbedacht geäußert oder ausgeführt unseren Kindern eine Hierarchie suggerieren, unserer Tochter ein Gefühl der Minderwertigkeit vermitteln können. Sätze zum Beispiel – salopp dahingesagt – aus dem Hintergrund unserer eigenen Kindheit, der Selbstverständlichkeit unserer Sozialisation, im Scherz oder ironisch.

„Jetzt sei nicht so mädchenhaft!“
Wie bitte? Was?

Ich konnte es gar nicht glauben, als ich diesen Satz hörte … aus meinem Mund. Ich war empört. Wo kam das denn her? Tatsächlich ist es ein Satz, den mein Mann und ich niemals verwenden wollten, genauso wie den Satz „du wirfst / spielst / läufst… ja wie ein Mädchen“.
Eine Spinne hatte ihren Weg gekreuzt, sie schrie schrill auf und wollte nicht weiter gehen… Sie hat keine Angst vor Spinnen, aber die anderen Mädchen in ihrer Klasse machen das auch so. Ich wusste das und wollte in dem Moment zum Ausdruck bringen, dass so ein Gehabe Blödsinn ist. In Wirklichkeit habe ich genau das Gegenteil gesagt … ich habe es in einem Satz auf den Punkt gebracht…du bist ein Mädchen und das ist etwas Negatives. BÄM.
Es tat mir unglaublich leid, und ich versicherte ihr, dass diese meine Aussage absoluter Schwachsinn war.

Es gibt noch ein paar so Aussagen. Und wir kennen sie alle „sowas macht ein Mädchen (oder Junge) nicht“, „das sind Jungsfarben (- oder Mädchenfarben)“ und so weiter. Lauter Sätze die unseren Kindern lehren, dass es normal ist, dass sie unterschiedlich behandelt werden. Jungs dürfen das, Mädchen nicht und umgekehrt.
Also Rosa aus dem Leben der Mädchen verbannen und alles ist gut? Wohl kaum. Heißt ja auch nichts anderes, als die Wahl einer Farbe sagt etwas über dich aus…Jungs die Rosa mögen sind komisch, Mädchen die Rosa mögen sind – tadaa: mädchenhaft. Unsere Kinder sollten selber wählen dürfen, welche Farben ihnen gefallen. Meine Tochter hatte eine ausgiebige rosa Phase. Es erleichterte das Einkaufen von Kleidung ungemein und sie ging vorüber noch bevor ich an Überzuckerung zugrunde ging.

Oft sind wir in unserer Gleichstellung zum eigenen Partner so geübt und sicher, dass uns nicht auffällt dass kleine Handlungen unseren Kindern trotzdem das Gegenteil vermitteln können. Ich habe mich beobachtet und einige eingefahrene und auch liebgewonnene Gewohnheiten hinterfragt.
Treffe ich Entscheidungen die mich alleine betreffen auch alleine?
Nehme ich in Gegenwart meiner Kinder auch mal Herausforderungen an? Wachse über mich hinaus?
Wer fährt, wenn die ganze Familie im Auto unterwegs ist?
Nehme ich auch mal den Hammer in die Hand?
„Papa arbeitet“ und „Mama macht den Haushalt“? oder „Papa arbeitet im Büro“ und „Mama arbeitet zuhause“?

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau, die man nicht einfach ignorieren kann. Unsere Kinder wissen das. Meine Tochter weiß, dass die Jungs in ihrer Klasse großteils stärker sind als sie, mein Mann stärker ist als ich.
Bekomme ich ein Marmeladenglas nicht auf, reiche ich es aber nicht einfach schweigend meinem Mann, sondern öffne es indem ich mit dem Messer Luft unter den Deckel lasse. Manche Dinge lassen sich mit Köpfchen genauso gut lösen- das ist doch mal eine Alltagslektion nach meinem Geschmack.

So gern würde ich allein die anderen, die Schule, die Gesellschaft, das Leben auf dem Lande, die alten Damen bzw. Herren beim Einkaufen dafür verantwortlich machen, dass meine Tochter glaubt, sie könne etwas nicht so gut wie ein Junge. Das wäre allerdings zu kurzsichtig. Ich habe erkannt, dass es sehr wohl ratsam ist das eigene Verhalten zu beobachten und hie und da an den Schräubchen zu drehen, um die selbst gefühlte Gleichheit auch für die Kinder sichtbar zu machen.

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