Girl Power

Meine Eltern haben einen wunderbaren Job gemacht. Sie haben mich zu einer höflichen, aber entschlossenen jungen Frau erzogen. Unabhängig aber solidarisch. Emanzipiert und selbstbewusst. Ich habe gelernt die Stärken meines Geschlechts zu schätzen, aber sehe auch die Grenzen, die uns noch viel zu oft gesetzt werden.

So richtig beschäftigt hat mich die Gleichstellung der Geschlechter eigentlich nie. Ich hab studiert, hab gleich anschließend einen guten Job gefunden und Karriere gemacht. Ich habe teilweise besser verdient als männliche Kollegen oder meine Partner. Bis dahin hatte ich wenig bewusste Berührungspunkte mit einer Ungleichbehandlung zwischen Mann und Frau.

Ich wurde Mutter. Jetzt sehe ich meine Tochter aufwachsen, sehe, wie sie ein Mädchen wird, sehe plötzlich viele Stolpersteine, viele Grenzen und viel Ungleichheit. Ich nehme sie bewusst wahr, die „rosa/blau-Welt“, die ungleiche Behandlung durch manche Erwachsene, das Gendermarketing, so Vieles das meine Tochter dabei begleitet eine Erwachsene zu werden. So Vieles, das ihr nebenbei näher bringt, dass sie als Mädchen weniger darf/kann/soll als die Jungs. Dass die Welt der Jungs aus Feuerwehr, Polizei und Abenteuer besteht, aus Konstruktion und Knobelei, und die der Mädchen aus Yachten, Einkaufszentren und bunten Einhörnern, aus schön sein und hilfsbereit.
Und es ärgert mich. Maßlos. Es fühlt sich an wie ein Schritt zurück.

Die Beschäftigung mit diesen Dingen hat mich verändert. Ich sehe, meine Tochter wird noch mit vielen geschlechtsspezifischen Vorurteilen und Nachteilen kämpfen müssen. Denn ein ganz großer Teil unserer Welt, in der sie einmal ihren eigenen Weg gehen wird, ist noch nicht so weit, wie ich bisher dachte.
Es weckt in mir das Bedürfnis meiner Tochter Extrapower mit auf den Weg zu geben. Ihr zu zeigen, dass alles geht, selbst gegen widrige Umstände. Dass es sich lohnt zu kämpfen. Und dass sie nicht alleine ist.

Meine Mutter hat mir vorgelebt und gelernt eine starke Frau zu sein. Sie hat mich in dem Selbstvertrauen groß werden lassen, dass ich Alles erreichen kann. Ich wünsche mir, dass meine Kinder mit demselben Wissen groß werden. Ich wünsche mir, dass meine Tochter nicht weit schauen muss, um zu sehen, was „Girl Power“ alles kann.

Ein Schritt dazu wird sein, meinen Kindern die Geschichten von den Frauen zu erzählen, die Grenzen überschritten, gläserne Decken gesprengt und Großes geleistet haben. Von Abenteurerinnen, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Heldinnen und Königinnen. Frauen, die unsere Welt verändert haben.
Ich werde einige der Geschichten für euch in der Rubrik „ich erzähle euch etwas“ online stellen, damit auch ihr das machen könnt. Nächste Woche geht es damit los, seid gespannt!

 

 

 

 

 

 

10 Kommentare

  1. Schön, wieder von dir zu lesen.
    Ich fand es lange Zeit peinlich, wenn Frauen Fotos davon posten, wie sie einen Hammer halten und damit sogar Nägel in die Wand schlagen können. Warum ich das eigenartig fand? Weil es für mich selbstverständlich ist, dass Frauen das genauso können.
    Es dauerte ein bisschen bis ich sah, dass nicht alle Welt so WENIG Unterschied zwischen XX- und XY-Chromosomen macht.
    Es braucht sie also wohl wirklich … die Bilder von heimwerkenden Frauen. Die Geschichten derer, die sich nicht bremsen haben lassen. Schon gar nicht aufgrund Ihres Geschlechts.

    • liebe maggie, ich danke dir. ich freue mich auch wieder da zu sein. dass starke frauen wie du das ähnlich sehen wie ich, macht mich jetzt ein bißchen stolz und zeigt mir, dass ich mit dem blog und dem was folgt auf dem richtigen weg bin.

  2. Martina Limpöck

    Liebe Kerstin!
    Ich finde das wunderbar, dass du für die Gleichstellung sensibilisierst. Mir dreht es immer den Magen um, wenn ich mit (unreflektierter) Kritik im Zusammenhang mit Gender Mainstreaming konfrontiert werde. Weil ich gleichzeitig sehe, wie wichtig es ist eine Sprache zu benützen, die „gleich stellt“.
    Aber es entwickelt sich (weiter). Hatte ich vor 5 Jahren noch eine Dame, die bei ihrem Lebenslauf meinte, sie könnte nicht „Köchin“ reinschreiben, denn Köchin ist jede Hausfrau. Sie glaubte, sie muss „Koch“ als Berufsbezeichnung anführen. Nur dann wird sie ernst genommen.
    Mittlerweile ist das bei (jungen) Frauen überhaupt kein Thema mehr.
    Auch wenn es für viele Ohren noch „lächerlich“ klingt oder gar nicht notwendig erscheint, finde ich es als gute Möglichkeit ins Bewusstsein zu dringen, dass es auch Ärztinnen, Rechtsanwältinnen, Teilnehmerinnen usw gibt. Und das wir es wert sich, erwähnt zu werden.
    Ich bin davon überzeugt, dass das ein erster Schritt Richtung Gleichstellung in Sachen Gehalt – auch in nicht akademischen Positionen – ist.
    Mir ist auch ganz wichtig, dass unser Sohnemann mit dem Putzwagerl durch das Kinderzimmer saust. Ich hoffe, da wird sich mal ein Mädel darüber erfreuen 🙂
    Super Kerstin! Schön, dass du wieder schreibst!

    • Oh, danke liebe Martina. Ich freue mich sehr über Rückenstärkung. Vor allem, wenn sie von Menschen kommt, die mir so wichtig sind. Als du mich bei unserem letzten Treffen auf die Schreiberei angesprochen hast, hat das auch ein Stück dazu beigetragen mich wieder dran zu setzen.

  3. Liebe Kerstin! Großartig! hab dich auch vermisst im posteingang und freu mich jetzt umsomehr, dass du dich diesem Thema annimmst weil mich das in letzter Zeit vermehrt beschäftigt.
    hab gerade erst nach Kinderbüchern dazu recherchiert. Ich weiss vorleben… vermutlich brauch ich die aufbereitete Info 😉 und eine extra Portion Girlpower!
    Danke Kerstin!

    • liebe sigrid, das freut mich. kinderbücher sind rar. ich werd mich dem thema extra nochmal widmen. also dranbleiben 😉

  4. Hallo Kerstin!
    Ich freu mich schon auf Lesestoff von dir! Mein Thema mit meinem Mädl ebenso. Und für einen selbst sowieso. Die Impulse bereits in diesem Post … Dankeschön! Alles Gute! Caro PS: die loop-fliesen sind grad aktuell ziemlich am Radar 🙂

    • danke liebe caro. eure reaktionen auf diesen post sind schon so aufbauend und geben rückenwind. es freut mich, dass das neue thema so gut ankommt.

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