Die Piratenkönigin Grace O’Malley

Vor einiger Zeit habe ich angefangen meinen Kindern die Geschichten der Frauen zu erzählen, die Grenzen überschritten, gläserne Decken gesprengt und Großes geleistet haben. Diese Geschichten schreibe ich hier für euch auf, damit ihr das auch tun könnt.

Heute erzähle ich euch die Geschichte von der Piratenkönigin. Ihr Name war Grace O’Malley.

Man erzählt sich, dass sie zur See geboren wurde und so ist es nicht verwunderlich, dass sie ihr ganzes Leben lang lieber auf dem Meer als auf dem Land war.

Die kleine Grace lebte mit ihren Eltern an der stürmischen Westküste Irlands. Ihr Vater war der Chef des Clans der O’Malleys und ihre Familie blickte auf eine lange Seefahrertradition zurück. Schon als kleines Mädchen begeisterte sich Grace für die Kunst des Navigierens und das Seefahrerhandwerk.
Wie oft mag sie wohl aufs Meer geblickt und davon geträumt haben auf einem der Schiffe davon zu segeln, während sich an den Klippen der Küste die Wellen brachen und der Wind ihr langes rotes Haar zerzauste. Immer wieder bat sie ihren Vater sie bei seinen Abenteuern mit zu nehmen.

Aber Owen „Schwarzeiche“ O’Malley, so wurde er genannt, war von der Idee seiner Tochter gar nicht begeistert. Er sagte zu ihr, dass sich ihre langen Haare in den Seilen der Segel verfangen würden und sie deshalb nicht für die Seefahrerei taugte. Hatte er geglaubt, damit sei die Sache vom Tisch, so staunte er nicht schlecht als Grace am nächsten Tag an Deck seines Schiffes stand, mit Haaren so kurz wie Streichhölzer. Nun konnte er nicht anders, als seine Tochter zur See fahren zu lassen.

Grace, „die Glatzköpfige“ O’Malley, so sollte sie von diesem Tag an heißen, war so geschickt im Navigieren, so erfolgreich im Führen ihrer Mannschaft und so furchtlos bei Angriffen von Piraten, dass sie schon bald Seite an Seite mit ihrem Vater segelte.

Als junge Frau heiratet sie Donall „den Schlachtenreichen“ O’Flaherty. Auch er war Chef eines Clans und seine Familie lebte von der Seefahrerei, dem Handel und dem gelegentlichen Plündern von Schiffen. Grace stand ihm dabei zur Seite. Gemeinsam bekamen sie drei Kinder. Nachdem Donall bei einer Schlacht ums Leben kam, kehrte Grace mit ihren Söhnen, ihrer Tochter und einigen treuen Gefolgsleuten in ihre Heimat zurück um dort das neue Familienoberhaupt und Chefin des Clans der O’Malleys zu werden.
Sie plünderte immer öfter andere Schiffe und schließlich auch ganze Dörfer. Ihr Reichtum wuchs, ihre Raubzüge wurden immer erfolgreicher und immer mehr Piraten schlossen sich ihr an. Es dauerte nicht lange und Grace war Herrin über mehrere Burgen und eine ganze Schiffsflotte.

Zu dieser Zeit kämpfte Irland dagegen an, von England unter seine Herrschaft gestellt zu werden. Englische Adelige versuchten sich des ganzen Landes zu bemächtigen. Die Königin von England selbst gab ihnen die Erlaubnis dazu. Grace war längst eine gefürchtete Piratin geworden. Sie wollte sich keinesfalls den neuen Herren und Gesetzen fügen und überfiel mit ihren Schiffen auch die der englischen Lords. Sie wurde bald gefangengenommen, konnte aber unbemerkt aus dem Kerker entkommen. Auch ihr Sohn geriet in Gefangenschaft.

Schließlich bat die „Piratenkönigin“ die Königin von England um ein Treffen. Sie wollte nicht mehr länger verfolgt werden und bat um Schutz. Und obwohl Grace so frech war sich vor der Königin nicht zu verbeugen und sich nicht vor ihr niederzuknien, schließlich war sie ja selbst „die Königin der See“, versprach ihr Königin Elizabeth I., sie nicht gefangen zu nehmen, und ihren Sohn freizulassen, wenn sie fortan für England segeln würde. So konnte Grace ihre Raubzüge nun sogar im Namen der Königin von England fortsetzen.

Zahlreiche Lieder und Legenden handeln noch heute von Grace O’Malleys Abenteuern und viele Iren verehren sie als Heldin, die sich nicht den Engländern beugte.

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