Herr Lotti findet ein Paket

Martin Gülich / Amélie Jackowski
Herr Lotti findet ein Paket
Thienemann Verlag

Für Herrn Lotti gibt es keinen schöneren Beruf als seinen: Postbote. Bei jedem Wetter ist er mit seinem Lastenfahrrad unterwegs. Eines Tages liegt ein kleines rotes Paket auf der Straße mit Löchern an allen Seiten. Wenn man genau hinhörte, konnte man ein leises Kratzen und Fauchen aus dem Paket vernehmen. Da kein Name auf dem Paket steht, nimmt es Herr Lotti mit nach Hause, öffnet es aber nicht, weil sich das ja nicht gehört. Da er vermutet, dass es Hunger hat, beginnt er dem vermeintlichen Tier im Paket Essen durch die Löcher zu schieben.

Von Tag zu Tag scheint das Tier zu wachsen und man kann weiches Fell durch die Löcher sehen. Eines Abends platzt das Paket auf, und inmitten des Kartons sitzt eine Katze, ein schwarz-gelb gestreifte Katze.

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Jeden Tag darf die Katze jetzt mit Herrn Lottis Postwagen mitfahren, die Leute finden die Katze sehr schön, allerdings traut sich keiner sie zu streicheln, ist sie doch wirklich ungewöhnlich groß. Irgendwann ist sie sogar so groß, dass sie kaum noch in Herrn Lottis Wagen passt… und als Herr Lotti einen kleinen Jungen, der keine Angst vor seiner Katze hat, fragt ob er sie streicheln will, meint dieser

„Das ist keine Katze“ …“das ist ein Tiger, ein waschechter Tiger, das sieht doch jedes Kind.“

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Mit einem Tiger allerdings, das wusste Herr Lotti, konnte er nicht zusammen in einer Wohnung wohnen. Weder Zoo noch Zirkus scheinen ihm eine Option und so überlegt er, was er mit seinem Freund anfangen soll. Bis er eines Tages ein Schaufenster sieht, in dem Werbung für Indien gemacht wird: „Das Land der Tiger“ … am nächsten Morgen bringt Herr Lotti ein riesiges Paket zur Post. Über und über mit Briefmarken beklebt und mit ganz vielen Löchern und dem Hinweis „nach Indien“.
Ein letztes Mal streichelt er durch ein Loch das Fell des Tigers.

„Dort ist der Tiger zu Hause, das ist schonmal sicher.“

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Als Herr Lotti mich vom Cover des Buches anlächelte, konnte ich einfach nicht daran vorbei. Ein netter, schrulliger Typ, mit Kniebundhosen und Strümpfen drüber… sowas mag ich.

Der Charakter des Herrn Lotti ist sehr liebevoll aufgebaut, seine Welt, die ordentlich vom Tiger aufgemischt wird ist bunt und charmant. Der Gleichmut mit dem Herr Lotti allen Unwegsamkeiten begegnet ist geradezu inspirierend. Und auch wenn am Ende eine Trennung steht, bleibt der positive Eindruck der Bereicherung, die die Freundschaft zum Tiger für sein Leben darstellt.

Die Illustrationen haben einen tollen eigenen Stil. Nicht modern reduziert, sondern liebevoll ausschattiert und nuanciert im Strich. Der Stil erinnert mich etwas an Illustrationen aus den Fünfzigern, sowas mag ich ja auch. Die Gesichtsausdrücke der Leute sind mit wenigen Details so vielaussagend, dass sie die Geschichte wunderbar abrunden. Dass alle Menschen, außer dem hageren Herrn Lotti ziemlich beleibt sind, finde ich ein sehr nettes Detail am Rande. Die Typo ist unaufgeregt modern, das Cover sehr liebevoll gestaltet, wie auch das Vorsatzpapier. Ein schönes Vorlesebuch ab ca. 4 Jahre.

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