Klein

Klein
Stina Wirsén
Klett Kinderbuch Verlag

Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, dass es vielleicht nicht unbedingt in die Regale unserer Kinder schaffen wird. Ein Buch, das aber in jedem Kindergarten, jeder Grundschule und in sämtlichen Büchereien vorhanden sein sollte.

Klein wohnt zusammen mit Groß und Stark. Klein mag es, wenn zu Hause alles schön ist. Manchmal läuft es zuhause aber nicht so gut. Stark ist schlecht gelaunt, schimpft dann mit Klein und streitet mit Groß. Das passiert viel zu oft. An zu vielen Tagen hat Klein zu Hause Angst und verkriecht sich unterm Tisch oder flüchtet zum Nachbarn.

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Aber Klein kann keinem davon erzählen. Oder doch? Keiner hilft ihm, keiner tröstet es, keiner bringt es ins Bett, wenn es wieder so ist. Oder?
Eines Tages erzählt Klein aber doch von seiner Not, seiner Erzieherin in der Kita. Sie hört zu, nimmt Klein in den Arm und wird helfen.

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„Frau Traulich hört zu. Frau Traulich hört alles. Frau Traulich sagt zu Klein: Du bist klein. Du bist gut. Dir darf man keine Angst machen. Dich darf man niemals stoßen oder schlagen. So ist das.“

Es gibt wohl mehr kleine Wusel, denen es so geht wie klein, die zu Hause Angst haben. Und sie sollten es jemandem erzählen.

„Denn alle, die groß sind, sollen sich um die kümmern, die klein sind. So ist das.“

Ein Buch über häusliche Gewalt hat es mitunter schwer auf dem Büchermarkt. Wer kauft schon ein Buch zu so einem Thema? Kaum Eltern, fürchte ich.

Dieses Buch verdient jede Aufmerksamkeit, die es bekommen kann. Sehr einfühlsam, aber auch eindringlich vermittelt es die Notwendigkeit, dass Kinder sich mitteilen sollen.
Die Texte sind in ihrer Schlichtheit so eingängig und kompromisslos, dass jeder versteht, was nicht ausgesprochen wird. Die Beklemmung und Unsicherheit, die Angst des Kindes wird besonders in den Zeichnungen greifbar und lässt einen schwer schlucken. Alles ist wirr, undeutlich. Die Farbstiftzeichnungen sind zerrüttet, wild. Die Welt, die Klein umgibt beschränkt sich zuhause auf die Farben von Stark und Groß. Die Illustrationen sind alles andere als gefällig, aber sehr emotional. Schließlich zeigt das Buch aber den Ausweg auf. Auch die Erleichterung, wird in den Illustrationen deutlich. Der Strich wird sicherer, als das Kind erzählt, die Farben bunter, die Umgebung verdichtet sich.
Die Kombination aus Text und Bild ergibt ein wirklich ergreifendes Werk.

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Ein starkes Buch als Grundlage für ein Gespräch. Und doch auch für Eltern. Weil man vielleicht einmal der Nachbar ist, der versteht, oder die Mutter des Freundes die zuhört, wenn ein Kind bedrückt ist oder weil man ein Buch kauft, das man dem örtlichen Kindergarten oder der Schule schenkt.

 

 

 

 

 

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