Nett sein und hübsch und bitte, bitte nicht so laut

Dieser Text entstand als Beitrag zur Serie „Eine für alle“ auf Menervas Blog „Hotel Mama“. Ich bin stolz und glücklich Teil dieser wunderbaren Gruppe von Frauen sein zu dürfen. Lest unbedingt auch die anderen Beiträge und freut euch mit mir an der Großartigkeit dieser Menschen. Danke Menerva für diese tolle Aktion.

Nett sein und hübsch und bitte, bitte nicht so laut

Ich habe studiert, immer alle Jobs bekommen, die ich wollte und dabei Karriere gemacht. Ich verdiente immer gut bis sehr gut, meistens mehr als meine Lebenspartner. Ähnliche Lebensläufe sah ich bei meinen Freundinnen. Ich hab mir keine Gedanken über Gleichberechtigung gemacht, und wenn, fand ich das Konzept angestaubt, den Ruf danach lächerlich. Ich war gleichberechtigt, selbstverständlich.

Dann wurde ich Mutter. Mutter einer Tochter, die mich plötzlich mit Sätzen konfrontierte wie

„Mama, das können wir nicht kaufen, das ist für Jungs!“
„Das hat einer der Jungs für mich gemacht, die können so etwas besser.“
„Aber wenn ich das anziehe, dann halten mich alle für einen Jungen.“

Es war, als hätte sie mir die Augen geöffnet. Plötzlich sah ich so viele Stolpersteine im Weg meiner Tochter.
Ich hörte hin, wenn Eltern von Klassenkameraden ihr erklärten, dass Mathematik halt den Mädels nicht so liegt. Ich beobachtete, wie sich Regalreihen aufteilen in Rosa und Blau, in Püppis, Einhörner, Beautyprodukte und in Konstruktion, Action und Weltrettung. Ich sah wie Jungs bestärkt werden darin zu toben, wett zu eifern, und sich die Knie aufzuschlagen und Mädchen darin nett zu sein und hübsch und bitte, bitte nicht so laut.

Und, dass wir damit aufhören müssen.

Weil es uns in eine Welt führt in der Unterschiede zu wichtig werden. In der es nur Schwarz und Weiß gibt, kein Grau oder Bunt. In der Jungs nicht gern tanzen dürfen und Mädchen nicht in der Nase bohren. Weil wir unseren Kindern suggerieren, dass es bestimmte Eigenschaften sind oder ihre Kleidung, die aus einem Jungen einen Jungen machen und aus einem Mädchen ein Mädchen, und nicht ihre Selbsteinschätzung oder Biologie.

Weil es sie und uns gefangen hält in einer Welt, in der uns keine Wahl gelassen wird.
In der es uns viel zu wenig stört oder nicht einmal mehr auffällt, dass es normal ist, wenn die Mutter zuhause bleibt, während der Vater in die Arbeit fährt. In der es meiner Tochter so gehen wird wie mir, die ich zwar mehr verdient habe als meine Lebenspartner, aber weniger als männliche Kollegen. Meine Chefs mich für nett hielten, aber nicht für konkurrenzfähig, für sympathisch vielleicht, aber nicht für innovativ. In der Handwerker am liebsten mit meinem Mann sprechen – die Betreuer meiner Kinder aber immer mich anrufen.

Seit ich mich und meine Umgebung damit auseinander setze, auch auf meinen Blog darüber schreibe, höre ich immer öfter von anderen, die dadurch sehen, was ich sehe. Die jetzt bewusster mit ihren Töchtern und Söhnen sprechen. Deren Partner, die Väter ihrer Töchter, meine Blogtexte lesen… Ich höre wie mit meiner Tochter plötzlich anders gesprochen wird, meine Familie sie in ihrer Unabhängigkeit und ihrem Selbstbewusstsein stärkt, sehe wie der Opa ihr den Hammer in die Hand drückt und die Oma zu ihr sagt „Mädchen können alles machen, und lass dir von niemandem was anderes erzählen.“ Und sich keiner daran stört, dass sich mein Sohn die Fingernägel in denselben Farben lackieren lässt, wie seine Schwester.

Darum meine Botschaft an andere Frauen und Mütter: Macht keinen Unterschied, ob eurer Tochter eine bestimmte Farbe gefällt oder eurem Sohn. Urteilt nicht, wenn euer Sohn gerne mit Autos spielt und eure Tochter lieber mit Puppen und lasst andere nicht darüber urteilen, wenn es umgekehrt ist. Seht hin und schafft Bewusstsein. Ihr alleine ändert vielleicht nicht die ganze Welt, aber die Welt eurer Töchter und Söhne schon.

Fotos: Asma Aiad

 

I was able to study, get all the jobs I applied for and pursue a career. I always earned well, most of the time better than my life partners. All my friends experienced quite similar life courses. I never thought about gender equality, and if so, I thought it was outdated and ridiculous to ask for it. I was equal, of course I was.

Then I became a mother. Mother to a daughter, who confronted me with statements like
“Mum, we can’t buy this stuff, this is for boys only.”
“One of the boys did it for me, they are just better with it”
“But, when I am wearing these kind of clothes, everybody thinks I am a boy!”

Suddenly I began to see. I saw so many bumps lying across my girl’s life journey.

I paid close attention to the parents of her classmates, explaining to her, it was totally okay not to succeed in maths, because it just isn’t a girl’s thing. I noticed the long rows of shelves, divided in pink and blue, in dolls, unicorns, beauty-products and construction, action and rescuing the world. I saw the boys being encouraged to rage, to compete and injure their knees and the girls to be nice and pretty and please, please no too noisy.

And I realised, we have to stop with it.

It will lead us into a world, where differences are way too important. Where there is only black and white, no grey or colourful. A world in which boys shouldn’t like to dance and girls shouldn’t pick their noses. Because we are teaching them, that there are certain properties or clothes, that make a girl a girl and a boy a boy and not their own idea or simple biology.

Because it will keep us captured in a world, where we aren’t able to choose. Where we aren’t irritated or don’t even notice that it has become normal for the mother to stay at home, while the father goes to work. A world in which my daughter might experience just like me, that even if she earns more than her life partners, she just won’t earn the same as her male colleagues. Where her boss might think she’s nice, but not smart, appealing maybe, but not able to compete. Where craftsmen prefer to talk to her husband, but her children caregivers will always call her.

Since I am questioning all those things and I am writing about it on the blog, others come to me more and more often, telling me that now they see, what I see. That they are talking to their daughters and sons with more awareness. That their husbands, the fathers are reading my texts too. I see my daughter treated differently by my family. I see them encouraging her, strengthen her in her abilities and her search for autonomy. I see her grandpa handing her over his tools, and her grandma telling her “girls can do everything and don’t let anybody tell you something else.” And I see nobody giving a fuck about my son having his nails painted just the same way his sister has.

So this is my message to other women and mothers: just don’t make a difference, if your daughter likes a special colour or your son does. Don’t judge them, if he loves to play with cars and she loves to play with dolls and don’t let anybody else judge them if it is the other way round. Pay close attention and create awareness. You alone might not change the whole world, but you surely will change the world of your daughters and sons.

Foto: Asma Aiad

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