Wie die Mutter, so die Tochter

Seit ich Mutter einer Tochter bin, gebe ich darauf Acht, wie ich in ihrer Gegenwart über Mädchen bzw. Frauen und vor allem über mich spreche. Ich möchte sie in ihrem Selbstverständnis stärken und ihr zeigen, dass ihr Körper gut ist, so wie er ist und Äußerlichkeiten weniger wichtig als die Persönlichkeit. Wir uns nicht über die Meinung anderer definieren sollten, sondern nur über unsere eigene.

Die Unzufriedenheit bezüglich meines Körpers und meines Aussehens, die Erwartungshaltung anderer daran und das Urteil anderer darüber waren Dinge die mich als Mädchen, Teenager und auch als junge Frau stark verunsichert haben. Ich habe mit meinem Körper gehadert und viel zu viel Zeit damit verbracht darüber nachzudenken, was andere davon halten. Habe – meist erfolglos – versucht ihn in Formen zu zwängen, die andere vorgaben und ihn dafür gehasst. Rückblickend bin ich mir ganz sicher, dass mich dieser Kampf sehr viel Kraft gekostet hat und das fehlende Vertrauen in meinen Körper, auch das Vertrauen in meine Fähigkeiten beeinflusst hat.

Ich würde meiner Tochter diesen Kampf gerne ersparen. Natürlich wird sie in ihrer Pubertät mit ihrem Körper hadern – die Veränderungen sind enorm. Aber ich wünsche mir, dass sie soviel Selbstvertrauen mitbringt, dass sie diese Unsicherheiten gut wegsteckt. Dass das Straucheln ihres Körpers nicht auch ihr Selbstbewusstsein ins straucheln bringt.

So rede ich in ihrer Gegenwart nicht abfällig oder negativ über meinen Körper. Ich mäkle nicht über meinen Hüftspeck oder das eine oder andere Gramm zu viel. Ich verzichte nicht auf Kuchen „wegen meiner Figur“.
Ich habe keine Modelfigur und das ist okay. Ich mag meinen Körper, so wie er ist und ich zeige das auch. Ich trage Bikini, ohne meine Bauchfalten im Bad zu bedecken, zupfe nicht an T-Shirts herum, wenn sie sich an mein Hüftgold schmeicheln. Ich trage kurze Röcke, wenn mir danach ist und keinen BH, wenn mir nicht danach ist.

Fragt mich jemand „für wen oder was hast du dich so hübsch gemacht?“, habe ich mir angewohnt zu antworten „für mich“. Kein „das gehört sich so“, kein „das macht man halt so“ und auch kein „für dies oder das“, höchstens mal ein „um … eine Freude zu machen“ aber auch dann ist klar, die Wahl meiner Kleidung wird mir nicht diktiert. Nicht von Personen und nicht von Konventionen.
Ich habe einen eigenen Stil, trage Kleidung und Frisur, die mir gefällt, durchaus abseits der aktuellen Mode. Wenn meiner Tochter meine Kleidung nicht gefällt oder meine Frisur in ihren Augen komisch aussieht (das kommt öfter vor… ) erkläre ich, dass ich mich damit wohlfühle und es letztendlich darauf ankommt, dass es mir gefällt.

So versuche ich ihr zu zeigen und vorzuleben, dass es nicht darum geht, was andere von ihrer Kleidung, ihrem Aussehen halten, sondern nur sie selber entscheiden sollte, womit sie sich wohlfühlt.

Nichts ist so schön und stark, wie eine selbstbewusste Frau, zufrieden mit sich selbst, im Einklang mit ihrem Körper.

Manchmal habe ich das Gefühl meine Bemühungen tragen bereits Früchte. Denn natürlich darf auch sie selber entscheiden, welche Kleidung oder Frisur sie trägt (ausser sie liegt witterungsbedingt völlig daneben). Fragt sie mich, ob es mir gefällt, gebe ich eine ehrliche Antwort oder Vorschläge, die sie meistens großzügig ignoriert oder mit einem „aber mir gefällt das so“ im Raum stehen lässt …

Und nichts macht mich als Mutter so stolz, wie ein selbstbewusstes kleines Mädchen, das gelernt hat zufrieden mit sich selbst und im Einklag mit ihrem Körper zu sein.

 

 

 

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